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Meine Kindergeschichten

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GÄSTEBUCH

 

 

                                     
        Die Prinzessin ohne Haare


In einem Königreich, wo die Schlossturmspitze den Regenbogen küsste und die Erde, die das Schloss fest hielt, um sich herum die fruchtbarsten Bäume versammelte, genau dort wohnten Königin Flora und König Rama mit ihrem Gefolge. Alle Untertanen des Landes waren den beiden freundlich geneigt. Die Königin war mild der König hingegen sehr streng.
Kam, egal welchen Ranges, ein Mensch zum Schloss und wollte eine Angelegenheit vor die beiden tragen, so wart er hineingelassen und zunächst nach den Gebräuchen der Gastfreundschaft bewirtet. Danach wurde er angehört, seine Sache hin und her gewendet und meistens zur Zufriedenheit aller Beteiligten entschieden.
Auch wäre zu erwähnen, dass das Königspaar sich sehr lieb hatte und sich von Herzen ein Kind wünschte. Dieser Wunsch blieb lange Zeit unerfüllt worüber Königin Flora oft sehr traurig war. König Rama küsste dann zärtlich seine Frau, machte einige Späßchen so dass sie bald daraufhin herzlich lachte.
Einmal indes, gelang es ihm nicht das Flora lachte. Sie schimpfte mit ihrem Mann, dass er in dieser so ernsten Angelegenheit sich so albern benahm.
Sie zog sich in ihr Schlafgemach zurück. König Rama brach eine Rose im Schlossgarten, eilte mit dieser ebenfalls in die Schlafkammer, küsste leidenschaftlich die Königin und tröstete sie.

Die Liebe jenes vormittags segnete den Leib der Königin mit neuem Leben. Nach den Monaten der guten Hoffnung gebar die Königin ein Mädchen.
Eine unbändige Freude durchzog das ganze Land als man von der Geburt der kleinen Prinzessin erfuhr. Das Königspaar war überglücklich und ihr kleiner Liebling, Prinzessin Sonja, gedieh prächtig.

Sonja hatte eine Vorliebe für Mathematik. Bereits mit fünf Jahren konnte sie die Aufgaben des Schatzmeisters lösen. Dass verdutzte alle Minister, am meisten jedoch den Schatzmeister selbst. Er freute sich über ihre Klugheit, und des öfteren, heimlich, bat er sie um Mithilfe bei sehr schwierigen Rechenaufgaben.
Die Zeit erlaubte nun, dass Prinzessin Sonja einen Mann finden sollte um die Regentschaft ihrer Eltern fortführen zu können. Wer aber wollte eine Prinzessin, die eine Glatze hatte, heiraten? Jedermann im Land, besonders die Königseltern waren traurig und voller Sorge. Prinzessin Sonja hatte es noch nicht als Makel empfunden keine Haare zu haben. Sie hatte sich nur gewundert warum auf ihrem Kopf kein Haar wuchs. Andererseits war sie froh darüber denn sie besaß viele bunte Hüte die sie gerne aufsetzte. Auch hörte sie von ihrer Freundin, dass das Haarekämmen recht weh tat, viel Zeit beansprucht und wer sein Haar nicht pflegte bekam sogar Läuse.
Ein bisschen traurig war sie schon wenn jemand ihre Glatze bemerkte und sie auslachte. Deshalb ging sie am liebsten allein im Schlosspark spazieren, immer dabei ein dickes Mathematikbuch.
Sonja saß wieder einmal vertieft in ihr Buch an einer kniffligen Aufgabe auf einer Bank im Schlosspark. Die Abendsonne mahnte schon zur Heimkehr aber um sich besser auf die Aufgabe zu konzentrieren sprach Sonja laut vor sich hin.

"Guten Abend Prinzessin, ich habe dich schon eine ganze Weile belauscht und kann dir helfen die Aufgabe zu lösen".
Sonja hob ihren Kopf in die Richtung aus der die Stimme kam und vor ihr stand ein junger Mann mit lustig blitzenden Augen. Er hatte rote Haare die sich wie kleine Hörner auf seinem Kopf kringelten, so dass Sonja sogleich loslachen musste.
"Wer bist du" fragte sie den Fremden.
"Ich bin der Mathematiklehrer Franz" und er lachte mit Sonja mit.
Dann setzte er sich zu ihr auf die Bank und half ihr bei der Lösung der schwierigen Aufgabe.

Franz erzählte, dass jetzt Ferien wären und er nun seine freie Zeit mit Spaziergängen ausfüllte. Jeden Tag in der Abenddämmerung besuchte nun Franz Sonja im Schlosspark. Manchmal klagte Sonja über die Leute die sie wegen ihrer Glatze verspotteten. Franz tröstete sie dann und erzählte ihr ausgedachte Geschichten.
Der Sommer begab sich auf die Reise und öffnete dem Herbst die Türen. Auch das Königspaar bemerkte mit Wehmut den Herbst seiner Jahre weiterhin beschlich sie die Sorge um die Zukunft Sonjas und des Landes.
Prinzessin Sonja erahnte die Sorgen ihre Eltern und bat um eine Erklärung. Gütig strich Königin Flora ihrer Tochter über den kahlen Kopf.
Sonja sprach "Herr Vater, Frau Mutter, vielleicht kann mein neuer Freund Eure Trübsal mildern. Erlaubt mir, ihn morgen zum Abendessen zu laden."
"Natürlich mein Kind" antwortete der König. Überrascht sah sich das Königspaar an und lächelte Sonja freundlich zu.
Als am nächsten Morgen der Hahn fünfmal krähte machte sich schon eine große Emsigkeit im ganzen Schloss breit. Nun blinzelte auch die Herbstsonne etwas verwegener dem alten Schlossgemäuer zu und der Wind blies mit seinem Atem all die roten, gelben, braunen Herbstblätter zu kleinen Häufchen zusammen, so dass der ganze Schlosshof wie gefegt aussah. Franz hatte sich sehr über diese Einladung gefreut. Er besorgte einen Rosenstrauß mit sieben dunkelroten Rosen für Sonja und für das Königspaar auserlesene Pralinen.
Als er vor den Königsleuten stand war Franz ziemlich aufgeregt, seine roten Haare kringelten sich noch mehr als sonst. Auch Sonja war sehr aufgeregt denn immer wenn sie Frantz traf kribbelte es in ihrem Bauch und ihr Gesicht glühte.
Alle begaben sich zu Tisch. Eine angenehme Unterhaltung über die verschiedensten Dinge begann. Der König Rama staunte wie gut Franz sich neben der Mathematik auch in der Literatur auskannte. Die Königin hingegen war begeistert von seinem Wissen über die Natur. Auch beeindruckte sie seine feine Menschenkenntnis.
Dann spielte die Schlosskapelle und es wurde getanzt und gesungen.
Franz und Sonja waren sehr glücklich.
Bei einem der Tänze fragte Franz Sonja:

"Ich habe dich so lieb gewonnen, würdest du mich heiraten?"
"Oh Franz, das ist die allerschönste Frage die du mir je gestellt hast und die ich ohne zu zögern mit ja beantworte weil ich dich auch sehr lieb habe.
"Sonja", fragte Frantz weiter, "dürfen Mathematiklehrer überhaupt Prinzessinnen heiraten?"
Da lachte Sonja und streichelte ihrem Frantz über die Hörnerhaare.
"Frag doch meine Eltern."
König Rama und die Königin Flora nickten schon von weitem den beiden zu, da sie ahnten was Franz wollte.
Durch sein Hochgefühl beflügelt küsste der Franz seine Sonja sieben mal auf die Stirn.
Da geschah es, dass bei jedem Kuss Sonja Haare wuchsen. Die Eltern traten zu den beiden um zu gratulieren. Die Königin entdeckte Sonjas Haare.
Franz sagte, "Ich habe die Gabe bei jedem Kuss Sonjas Haare um einen Zentimeter wachsen zu lassen".
Bald darauf wurde Hochzeit gehalten.
Der Regenbogen neigte sich tief zu Franz und Sonja und schenkte ihnen die Farben des Lebens.




                         Der wirklich wichtige Glückspickel

Eine warme Sommernacht ließ Pauline nicht einschlafen. Auch dachte sie immerzu an den Streit ihrer Eltern, welchen sie kurz zuvor belauschte.
Zu ihrem Geburtstag übermorgen sollte sie nun keine Baby – Born – Puppe bekommen, viel zu teuer sagte ihr Vati. Auch sollten nur wenige Kinder zum feiern kommen. Mutti ist nach der Arbeit immer so müde und hat deshalb keine Lust auf eine große Kinderfete. Dann schrie Vati: „Pauline ist doch dein Kind“ und Mutti schrie zurück: “deins auch“, dann weinte sie.
Sie ist Krankenschwester und konnte den Dienst diesmal nicht tauschen.
„Ich werde arbeitslos, muss es denn ausgerechnet solch eine Puppe sein" brüllte Vati, dann knallte die Wohnungstür zu.
Pauline huschte zurück in ihr Bett. Hier lag sie nun und war traurig.
Der Mond sah zu ihr herein, tatsächlich, er blinzelte sie an. Ja, sie würde abhauen, hier hält sie es nicht länger aus. Keiner hat Zeit für sie, überall hört sie dieses Wort, „Flexibel“ und weiß nicht was es bedeutet. Aber Pauline denkt, vielleicht ist „Flexibel“ wenn sie von zu Hause weggeht. Schon ist sie durch die Gartenpforte in Richtung Wald geeilt, der Mond ihr voraus.
Hilfe, wer war das, Pauline stockte der Atem. Da steht in Fetzen gehüllt eine Frau mit rotem zerzaustem Haar, das über ihrem Buckel bis auf die Erde fällt und die noch dazu eine schrecklich lange, spitze Nase hat.
Aber am schlimmsten ist ihr Gejammer.
„Übermorgen ist alles vermasselt und niemand hilft. Oh weh, oh weh. Wer hilft, wer hilft, ach könnte mich nur jemand hören".  
Dabei stampfte sie mit den Füßen so auf den Waldboden, dass die Bäume wackelten. Sie schüttelte den Kopf hin und her, warf die Arme in die Höhe und wenn das Mondlicht sie streifte sah alles sehr gruselig aus.
Da drehte sich die Alte um und starrte erschrocken auf Pauline.
Diese erkannte nun erleichtert die rote Hexe.
Pauline erzählte von ihrem Kummer und auch die rote Hexe begann von ihren Sorgen zu berichten.
"Übermorgen wird das ganze Land untergehen" sprach sie. "Weist du Pauline, die schwarze Hexe hat mich ausgetrickst. Sie stahl mir den für die Menschen sehr wichtigen Glückspickel von der Nase."
Stimmt. Der Nasenrücken der roten Hexe war pickellos. Jeder im Land wusste das der Glückspickel alle Ungerechtigkeiten die den Menschen widerfahren konnten etwas ausgleicht. Was wird geschehen?
"Den Glückspickel hatte sich die schwarze Hexe auf ihren Nasenrücken gezaubert. Wenn er so hoch wächst, das er über ihre Stirn hinausragt, geht das Land unter.
Lass dir etwas einfallen Pauline, es bleibt wenig Zeit, ich bin ohne Glückspickel machtlos".
Keuchend kam Pauline zu Hause an. Nun, müde vom nachdenken, schlief sie doch noch ein.
Am nächsten Tag in der Schulpause erzählte sie ihrer Freundin Saskia von den nächtlichen Ereignissen. Saskia versprach heute Nacht mit Pauline zusammen der schwarzen Hexe aufzulauern um den Glückspickel für die rote Hexe zurückzufordern.
Gesagt, getan. Hand in Hand, begleitet vom Mond, bestritten die Mädchen tapfer ihren Weg.
Da hörten sie auch schon so ein schnarrendes Geräusch. Es klang so als ob tausend Stimmen nach ihnen riefen. Ängstlich suchten sie hinter einem Baum Schutz.
Die schwarze Hexe triumphierte – "morgen ist es geschafft, dann gehört das Land mir, und alle Menschen müssen machen was ich will".
Das klang sehr bedrohlich. Saskia und Pauline konnten erkennen wie der Pickel von Minute zu Minute wuchs. Aufgeregt flüsterten die beiden miteinander, keine Idee, kein Einfall, ihre Köpfe waren leer.
Die schwarze Hexe tanzte vor Freude und der Pickel wuchs und wuchs.
Da schrie Pauline auf, sie wusste nun was zu tun war. Sie zog ihr Katapult aus der Hosentasche, suchte hastig einen Stein, kniff ein Auge zu, zielte in Richtung Pickel und schoss.
Im selben Augenblick kreischte Saskia nervös, "tu es nicht, lass uns wegrennen".
Zu spät. Der Stein sauste durch die Luft und hieb im letzten Augenblick den Pickel von der Nase der schwarzen Hexe.
Die schwarze Hexe jaulte auf und zerplatzte dann in viele Matschklumpen.
Da trat aus dem Walddunkel die rote Hexe zu den Kindern und im Mondschein schimmerte auf ihrer Nasenspitze ein winzig kleiner Glückspickel.
Sie lächelte Pauline geheimnisvoll an.
"Alles gute zum Geburtstag für dich und nun lauft schnell nach Hause ihr zwei".




                                Frau Holle''s Schussligkeit

Ach, Frau Pape, nun war schon der erste Advent, klagen Pauline, Ella, Aaron, Lukas und Dana - wo bleibt bloß der Winter, die Sonne scheint so warm wie im Frühling.
Betrübt setze ich mit meinen kleinen Lieblingen aus dem Kindergarten unseren Waldspaziergang fort.
Die Sonne kitzelte erneut unsere Nasenspitzen und so beginnt unsere Geschichte.
Im Oktober des Jahres 2003 schreckte Frau Holle plötzlich aus dem Schlaf. Ganz benommen und schlaftrunken schüttelte sie ihre große Bettdecke am Fenster zur Menschenwelt aus und legte sich dann wieder in ihr Bett.
Auf der Erde waren an diesem Abend die Menschen irritiert – Schnee im Oktober - na das kann ein Winter werden. Die Kinder aber sahen mit Freude die weißen tanzenden Schneeflocken, kuschelten sich zufrieden in ihre Betten und schlummerten mit Sehnsucht in den kühlen Morgen.
Als die Sonne am nächsten Tag in ihren Temperaturkalender schaute, fröstelte sie schon beim Erwachen. Sie zog die sonst so erhitzten Strahlen ein, denn sie fror erbärmlich. Was ist zu tun? Laut Kalender waren 16° C plus angegeben. Nein, dass konnte sie niemals schaffen. Es war zu kalt auf der Erde. Der Herbst war sauer, dass seine wunderbar bunte Farbenpracht eingezuckert unterm Schnee verschwand. Vor Ratlosigkeit kochte sich unsere Sonne erst einmal einen Kakao, aber der wärmte nicht wirklich. Da klingelte das Telefon.
Es war Frau Holle, die sich entschuldigen wollte.
Doch die Sonne schimpfte so sehr mit Frau Holle, dass sie immer kälter wurde und sehr blass aussah.
Frau Holle begann zu weinen und schluchzte in den Hörer etwas von einer Idee.

Allmählich verlor die Sonne ihre Wut und so konnte Frau Holle ihre Idee erzählen.
Die dicke gemütliche Wolke Emma hat sich bereit erklärt für jeden Sonnenstrahl ein puschliges Fellchen zu stricken. Die liebe Emma hat schon begonnen und Frau Holle kommt in drei Minuten mit dem Himmelstrabanten und gemeinsam fahren sie und die Sonne in die Wolkenstrickerei.
Das war eine verrückte Fahrt, kann ich euch berichten.
Grün schalten - grün schalten - Frau Holle sitzt am Steuer! – riefen sich schon von weitem die Verkehrssterne zu.
Freundlich empfing die dicke Emma die frierende Sonne. Für die ersten zweihundert Sonnenstrahlen waren die Fellchen schon anziehbereit.
Der Rest ist ein Kinderspiel meinte Emma zufrieden, als sie feststellte, dass alles hervorragend passt.
Endlich war es geschafft. Die Sonne hatte um all ihre Strahlen ein flauschiges Wolkenfellchen. Kaum war sie zu erkennen. Sie sah aus wie die gelbste Zitrone mit ringsherum den weißesten Zuckerwattezöpfchen.
Glücklich und heiß erregt bedankte sie sich bei Emma und umarmte auch Frau Holle, die sofort mächtig schwitzte, so dass der ganze Schnee auf der Erde dahinschmolz.
Ja, und wie ihr feststellen könnt, wärmten die Fellchen so, so dass den ganzen November hindurch auf der Erde die Sonne wie im Frühling schien. Die Schneeglöckchen murrten, sie gähnten, so müde waren sie und wollten doch noch gar nicht blühen. Die Vogelmännchen waren ganz verwirrt, dass sie schon wieder ein Vogelbräutlein suchen sollten.
Inzwischen ist der zweite Advent, die Kinder fragen, was ist los mit Frau Holle, was ist los mit dem Winter.
Vielleicht hat Frau Holle vergessen den großen Schneewecker neu aufzuziehen und jetzt wird sie gar durchschlafen bis Dezember 2004, oh je, oh je.
Wir wissen es nicht. Meine Pauline hatte jedoch einen Einfall - Leise, um nicht die Babajaga aufzuwecken, schlichen wir zu unserem Zauberbaum.
Dort flüsterten wir dem Bäumchen unseren Wunsch in das dickste Blatt.
Und nun warten Pauline, Ella, Aaron, Lukas, Dana und ich voller Ungeduld darauf, dass die Sonne ihre Fellchen wieder auszieht und endlich der große Schneewecker bei Frau Holle klingelt.





                                    Eine Osterüberraschung  

Noch einmal las der alte Haase Xaver die Bestellliste der Ostereier an die Kinder durch. Dann sprang er von seinem Sessel auf und zählte die bestellten Eier. Alle Eier sahen prächtig aus, dieses Mal schlug Xavers Fantasie Purzelbäume.
Vorsichtig sortierte er nun die bemalten Eier in die Osterkörbchen, beschriftete diese mit dem Namen eines jeden Kindes. Stolz strich er sich über den dicklichen Osterhasenbauch. Dann rief er den Transportservice an. Er stellte die fertigen Körbchen auf die Gartenbank, schloss seine Haustür zu und legte sich in seinen Schaukelstuhl, sich wohlig ausstreckend.
Am nächsten Morgen strolchte er schon früh durchs Gefild um miterleben zu können wie sich die Kinder bei der Eiersuche freuen. Da entdeckte Xaver den kleinen Paul, der auf einem Stein am Gartenzaun saß und leise weinte. Zärtlich strich Xaver dem Jungen mit seiner Pfote über den Haarschopf. Versuchte den Jungen zum Lachen zu bringen indem er die langen Ohren nach hinten und nach vorne rollte, mal zusammen mal einzeln.
„Was hast du Paul, warum weinst du denn bloß immerzu? Spielst du denn gar nicht bei den anderen Kindern?“
„Ach lass mich Osterhase, meine Freunde haben mich ausgelacht denn ich habe kein Körbchen mit bunten Eiern gefunden. Die Eltern schlafen noch und sicher haben sie sowieso Ostern vergessen“ seufzte er tief und schluchzte von Neuem los.
Der Haase Xaver begann innerlich zu zittern, hatte er vielleicht eine Bestellung übersehen?
„Weist du Paul, vielleicht hast du nicht gründlich zu Hause gesucht und außerdem kannst du ja deinen Freunden von mir erzählen. Ich komme nicht zu jedem Kind, mache für es Späßchen und spreche die Menschensprache.“
„Osterhase, wenn ich das den Freunden erzähle, dass wir beide miteinander geredet haben, werden sie noch mehr lachen. Sie werden sagen, bist du nun ein Schulkind oder gehörst du in den Kindergarten, dabei gehe ich in die erste Klasse.“
Xaver schüttelte mit dem Kopf, bog ihn zur rechten, dann zur linken Seite, wobei seine Ohren fast seine Schuhspitzen erreichten.
„Dann ist das eben unser Geheimnis Paul. Wenn es wirklich deine Freunde sind, so werden sie kommen um dich zu trösten und jeder schenkt dir aus seinem Körbchen ein Ei.“

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Und damit hoppelte er, so schnell es ging, zum Hühnerstall. Im Hühnerstall saß einsam und verlassen Glucke Hertha. Weit und breit erspähte Xaver kein Ei. Es galt also Hertha abzulenken, ohne das sie sich erschreckt, um ihr dann schnell ein Ei zu entwenden.
Geschafft! Schweißtropfenüberströmt erreichte Xaver mit dem noch warmen Ei seine Malerwerkstatt. Mit allen Farben des Regenbogens verzierte er dieses Ei. Er trug die Farben so kräftig auf, dass man meinen konnte das Ei sei dreimal so groß. Xaver packte es in eine Schachtel und hoppelte so schnell er konnte zu Pauls Elternhaus. Im Vorbeirennen sah er Paul immer noch auf dem Stein sitzen. Die Schachtel mit dem Ei stellte er auf den Küchentisch. Dann suchte er sich ein Plätzchen wo er die kommenden Ereignisse gut beobachten konnte.
Pauls Eltern waren in Sorge, sie suchten ihren Sohn. Endlich sah der Vater seinen Paul. In der Küche angekommen setzten sich die drei an den österlich geschmückten Frühstückstisch. In einem Körbchen lagen für Paul viele Leckereien bereit, jedoch kein Osterei. Die Eltern liebkosten ihren Sohn und baten ihn um Verzeihung, dass sie die bunt bemalten Eier vergessen hatten. Etwas beruhigt war Paul inzwischen und naschte einige Zuckerkringel. Plötzlich bemerkten alle die kleine Schachtel auf dem Tisch. Die Mutter schrie sofort auf, sprang vom Stuhl hoch, sie vermutete in der Schachtel eine Maus. Leicht drehte sich die Schachtel hin und her und auch war ein Kratzen aus der Schachtel zu hören.  Pauls Augen wurden immer größer, heiße Hände hatte er, sein Gesicht war glühend rot.
„Du bist der Mutigste“ rief die Mutter zum Vater,“ mach die Schachtel auf.“ Ein bisschen ungeheuerlich war es auch Pauls Vater, einer musste wohl den Deckel der Schachtel abheben, er tat es dann auch mit einem Ruck.
Wie musste er lachen, „komm näher Frau, es ist keine Maus.“
Aus dem Ei war ein Küken geschlüpft und piepste protestierend weil es endlich aus der engen Schachtel wollte.
Ach, wie freute sich Paul, das war eine Überraschung als sein kleiner neuer flauschiger Freund auf seinem Frühstückteller landete. „Danke Mutti, danke Vati, so ein buntes Küken hat bestimmt niemand, sonnst sind doch die Küken alle gelb.“

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Fragend sahen sich die Eltern einander an und auch Xaver schaute staunend durchs Küchenfenster. Xaver war müde. Zufrieden und belustigt machte er sich auf den Heimweg.
Tante Marion kam. „Los Paul, komm schnell mit, die ersten Küken sind geschlüpft, sind die süß, wie kleine gelbe Wollbällchen.“
„Nein danke, ich habe selber ein Küken, schau her.“
„Was ist denn das für eine Sorte, ein kunterbuntes Küken. Wo habt ihr das gekauft?“ wandte sich Tante Marion an Pauls Vater.
„Wir“, fragte der Vater?  „Wir dachten du hast uns die Schachtel heute morgen… oder sollte doch vielleicht der Osterhase…?“
Resolut nahm Tante Marion Paul an die Hand, steckte das bunte Küken in ihre Schürzentasche und sagte, „das Küken kommt zu uns“ und ging mit Paul in den Hühnerstall. Der wehrte sich und schrie doch Tante Marions Hand war wie eine Kneifzange. Im Hühnerstall angekommen setzte sie das Küken zu den sechs anderen. Die Glucke Hertha schlug sogleich Alarm und der Hahn Erwin kam herbei und besah sich den Fremdling.
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So etwas hatte man hier auf dem Hühnerhof noch nicht gesehen. Bedrohlich schritt Erwin auf Pauls kleinen bunten Freund zu. Paul war ganz blass, nahm allen Mut zusammen und fauchte wie eine Schlange den stolzierenden Hahn an, hob sein Küken auf und rannte nach Hause.
„Nein“, sagte er zu seinen Eltern. „Das Küken bleibt bei mir, es ist mein Freund.“
Später kam Tante Marion noch einmal und brachte Paul eine große Tafel Schokolade. Sie hatte auch eine Kiste mit etwas Hühnerstreu dabei und gab Paul noch Tipps für die Kükenpflege. Paul war überglücklich, war das ein Osterfest. Erst sprach der Osterhase nur mit ihm und irgend jemand zauberte ihm sein Küken, das er Josi nannte, auf den Frühstückstisch welches auch mit ihm sprechen konnte. Paul wusste, dieses Geheimnis musste er für sich bewahren. Die Jahre sind vergangen und Pauls Geheimnis ist bei ihm geblieben doch die Leute im Dorf erzählen gern den Fremden die Geschichte vom tätowierten Hühnchen Josi.





                                                              
Victorias Pusteblumenwiese 

Als Vici am Montag aufwachte, ging sie wie immer vor dem Kindergarten in den Kaninchenstall, um ihren Freund Fridolin zu begrüßen. Fridolin, ein alter bunt gescheckter Hase mit rotem Schnurrbart wartete schon auf sie.
„Was ist mit dir?“ Fragte Vici, die noch gar nicht richtig munter war.
Vici, wunderte sich Fridolin, hast du denn nicht die vielen vielen Pusteblumen auf der Wiese bemerkt?
Nein ich hatte so einen unheimlichen Traum und bin nach dem wecken von Mutti gleich zu dir gelaufen. Mein Bett schaukelte heute Nacht hin und her flüsterte Vicki ihrem Hasen ins Ohr.
Der alte Fridolin stupste sie liebevoll und erklärte, dass sie keine Angst zu haben braucht. Solche Träume kommen manchmal in einer Vollmondnacht.
Der Mond ist Fridolins Freund. Damals, als er der alte Fridolin, vor Vicis Haustür gefunden wurde, hatte ihm der Mond geholfen. Fridolin war seiner Zeit auf der Flucht vor dem Fuchs. Völlig atemlos stand er plötzlich dem Fuchs gegenüber, da blendete der Mond den Fuchs.
So konnte der alte Hase entwischen und sprang in Victorias Puppenwagen den sie auf der Terrasse vergessen hatte. Das hast du mir nie erzählt, Fridolin. Aber was hat das mit all den herrlichen Pusteblumen zu tun?
Also das ist so:
„Victoria – komm wir müssen los“, rief da die Mutti.
Hm, das ist schade. Und Vicki eilte ins Haus zurück. 

Aber ihr Kinder, seid gespannt, euch erzählt der Fridolin jetzt schon die Pusteblumengeschichte.  

Von Zeit zu Zeit bekommt der Mond einen großen Appetit auf Haferflockensuppe.
Leider vergisst er jedes Mal das Rezept für die Zubereitung. So suchte der Mond in seinem Bücherzimmer nach dem großen Kochbuch. Hundert mal schon hat er in den Regalen nachgeschaut. Nichts zu finden!  Wie aber auch, auf allen Regalen lag dicker Staub, so dass er kaum erkennen konnte, um was für ein Buch es sich handelte. Nahm er ein Buch aus dem Regal, wirbelten sogleich Staubwölkchen durchs Bücherzimmer und er musste kräftig niesen.
Da war ein Buch über Mondfinsternis, ein Buch wie er Diät halten sollte, so dass Halbmond auf der Erde war, ein anderes wie viel er essen sollte um zum Vollmond zu werden. Nirgendwo war das Kochbuch für besondere Leckereien Wieder und wieder musste unser Mond niesen, wenn ihm die Staubwölkchen direkt in die Nase flogen.
Dadurch wuchs auf der Erde bei seiner Nieserei eine Pusteblume nach der anderen.
Müde vom Suchen und sehr wütend setzte er sich mit einem Ruck in seinen Zeitschaukelstuhl.
Oh weh. Da knackte es unter ihm, das war die Brille, und im selben Augenblick klingelte auch noch irgendwer an der Eingangswolke.
Doch zum Glück. Es war die Sonne, die heute nicht zur Arbeit musste und deshalb mit dem Mond frühstücken wollte. Wo sind sie mein Lieber – rief sie erschrocken und hustete auch schon los.
Hier im Bücherzimmer, so kommen sie liebe Sonne.
Mit dem dicksten Strahl versuchte sich die Sonne die Nase zuzuhalten. Nichts half. Ununterbrochen musste auch sie nun niesen. Was zur Folge hatte, dass unten auf der Erde die Pusteblumen immer riesiger wurden.
Unser Mond klagte jetzt sein Missgeschick und den Heißhunger auf Haferflockensuppe.
Eilig verschwand die Sonne in der Küche und kochte die leckere Suppe. Es duftete hervorragend und der Mond traute sich vorsichtig in die Küche. Vorher machte er das Fenster im Bücherzimmer so weit auf, dass der ganze Staub in Vickis Garten fiel und noch mehr Pusteblumen wuchsen.
Nachdem die Sonne und der Mond die köstliche Haferflockensuppe aufgeschleckert hatten, lachten sie so, sodass alle Sonnenstrahlen durcheinander gerieten. Na wissen sie mein lieber Mond, die Menschen werden staunen, was für große Pusteblumen auf ihren Wiesen blühen, kaum sind die anderen Blumen zu sehen.
Nun aber kommen sie. Wir wollen zu Herrn Krause in die Wolkenbrillenwerkstatt, der wird ihnen gleich zwei neue Brillen verpassen. Auch Optiker Krause musste über unsere Geschichte lachen.
Etwas später, zu Hause, der Mond hatte seine neue Brille auf und putzte mit einem extrastarken Staubtuch seine Bücherstube blitzeblank, da musste er noch einmal niesen als er endlich das Kochbuch gefunden hatte. Dieser letzte Nieser setzte sich auf Victorias Nase. Und nun musste auch Vici niesen.
Eben war sie aus dem Kindergarten zurück und wollte endlich von Fridolin die Geschichte von den Riesenpusteblumen hören, die ihr schon längst kennt, Kinder.