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                                                                            Israel

 

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                                                   …bevor ich ewig werde

In der Frühe im Garten warte ich auf den unentdeckten Tag.
Sanft begrüßt mich die Morgenröte
ich küsse ihr die Rosenfinger.
Sie lächelt, weil sie mir schon so lange so nah
doch in meinen Wimpern waren noch Schlaf und Traum.
Behutsam zieht sie den Morgen in den hellen Tag,
den aus der Weite der Hahn ruft.
Streift mich der Atem des Ewigen.
In die Laute der Natur gesandt
höre ich Seine Wahrheit.
Der Gesang der Vögel macht mir Fernweh
und ich möchte losziehen zu all den Lieben
nach den anderen Ländern,
zu all den Lieben die mein Weg bisher sammelte.
Das Bienenvolk labt sich am blühenden Kirschzweig
und ich selbst genieße die Speise der Freunde.
Die Züge fahren nahe, der Tag wird sicher heiß.
Schnurrend umschmeichelt nach der Sahne,
mir das Kätzchen die Wade.
Jetzt lauscht das Ohr dem Klang der Glocke für den Sohn.
Ein letztes Herbstblatt will sich verabschieden,
geräuschvoll kommt es über den Beton zu mir gekrochen.
Bewusst Herbst und Frühling empfindend
streift mein nackter Fuß die morgenbetaute Wiese.
Mir sind kostbare Stunden frischen Sinnes
im Morgenfrieden geschenkt.
…bevor ich Ewig werde!

                                                       Ines – Kathrin Pape
                                                                          I. – K. P. 25.04.08


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das Jordantal

 

Berlin – Paris – Tel Aviv
Reiseerzählung Frankreich – Israel in der Zeit vom 15.09 bis 03.10.2011

 

Die Schönheit eines Landes offenbart sich nicht nur in einem Bild.
Die Menschen daselbst bringen ihr Land zum Strahlen oder zum Weinen.

 

Diese Aufzeichnungen sind nicht das geworden was ich wollte. Schon beim schreiben merkte ich,
das alles anders wird. So sind die hier versammelten Geschichten eher ein Streifzug durch die
zurückliegenden zehn Jahre meines Lebens.
Ich wünsche dem Leser Gesundheit, Lächeln und Nachdenken beim Lesen, vielleicht sogar
Tränen.
Was ich weiß ist, dass die vorliegenden Seiten keine Qualitätsminderung sind, gegenüber dem,
was ich eigentlich wollte.
Auch bin ich der Meinung das die Reiseleiter ihr Land, Israel, genauer in unseren Verstand, und
unsere Herzen transportieren, als ich es je könnte.

                                                                        Ines – Kathrin Pape

                                                                               1

                                                                                          15.09.2011 Paris
Herzlich wurde ich von Ines in Paris - Orly in Empfang genommen. Ein Käffchen gefällig und
dazu ein Schokoladencroissant – also nicht nur die Stadt der Liebe!
Danach verstauen wir mein Gepäck im Auto und es beginnt ein Kurztrip durch Paris.
Wenig später sitze ich in Notre Dame, welch geschichtsträchtiger Ort. Wir gehen weiter, über
eine der vielen Brücken der Seine. Versunken in Gedanken an Paul Celan schaue ich auf das
Wasser.

                                                                Corona

Aus der Hand frisst der Herbst mir sein Blatt, wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehen:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:

es ist Zeit, das man weiß!
Es ist Zeit, dass der Stein sich zu blühen bequemt,
dass der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, dass es Zeit wird.

Es ist Zeit.

                                                                      Paul Celan

Schade, ich wäre ihm gern einmal begegnet, dem Schreiber der Gedichte die mein Herz schneller
schlagen lassen.
Wir schlendern durch den Louvre – Ines ist für die Kürze der Zeit eine hervorragende
Stadtführerin.
Es ist spät geworden, wir fahren zu meiner Gastgeberin etwas außerhalb von Paris.
Ein Häuschen mit großem Garten öffnet mir seine Tür. „Enchantè“, wir genießen den Rotwein,
dazu ein Käsebaguette. Auf der Terrasse sitzend hält uns die orangerote untergehende Sonne
ihren Spiegel vor die glühenden Gesichter, wir kichern wie vierzehnjährige Schulmädchen.
                                                          Bonne nuite!

 

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     Seine - Blick in Richtung Louvre 

Blid

Paris - Bouquineste

 

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   in der Kirche Maria Magdalena 

                                                                                                                                16.09.2011


Heute fahren wir nach Chartres in die Kirche der Maria Magdalena. Yvettes, ein Bettler begrüßt
uns und schenkt uns aus rosa Papier ausgeschnittene Herzen.

 

Da tanzen im Wind
hängend am Baum des Lebens
die toten und die roten Herzen
vermischen sich im freien Fall
was für ein herrliches ROSA

                                        I. – K. P, 05.05.03

 

Wir sitzen im Café in der Nähe der Kirche und der Wind spielt mit all unserer Habe, macht uns
eine Unordnung, Schutz suchend im Haus entrinnen wir seinem Windlabyrinth. Irgendwo im
babylonischen Talmud steht „alles hat einen Anfang und ein Ende, nur der Wind nicht, denn er ist
der Atem Gottes.“
Der Dichter Rainer Maria Rilke besuchte etwa um 1905 Chartres und kleidete seinen Besuch in
folgende Worte.

 

L’ Ange de Meridian

Chartres

Im Sturm der um die starke Kathedrale
wie ein Verneiner stürzt der denkt und denkt,
fühlt man sich zärtlich mit einem Male
von deinem Lächeln zu dir hingelenkt.
Lächelnder Engel, fühlende Figur,
mit einem Mund, gemacht aus hundert Munden:
gewahrst du gar nicht, wie dir unsere Stunden
abgleiten von der vollen Sonnenuhr,
auf der des Tages ganzen Zahl zu gleich,
gleich wirklich, steht in tiefem Gleichgewichte,
als wären alle Stunden reif und reich.
Was weißt du, Steinerner, von unserem Sein?
und hältst du mit noch seligerem Gesichte
vielleicht die Tafel in die Nacht hinein?

Rainer Maria Rilke

 

 

                                                                                                            17.09.2011
Ausruhen vor der großen Traumreise bei meiner Gastgeberin

 

                                                                                                            18.09.2011
Nun ist er da, der große Tag unserer Reise nach Israel.
Ich bin überwältigt sagen zu können: Meine Reiseroute ist Berlin – Paris - Tel Aviv, und zurück
Tel Aviv – Paris für Ines und für mich Tel Aviv – Berlin.
Im Zubringer zum Flieger trafen wir auf eine Deutsche die in Paris lebt. Sie war ganz überrascht
zwei Frauen, deutschsprachig, die von Paris nach Tel Aviv fliegen, zu begegnen.
Für Israel gab sie uns noch wohlwollende Ratschläge. Sie selbst war auf dem Weg zur Familie –
das Neujahrsfest nahte.
                                                                       Bon voyage!
Im Flieger, hinter uns sitzen junge Männer, siebzehn bis zwanzig Jahre, vielleicht sind sie etwas
jünger. Debattieren sie lautstark, essen und trinken, lachen ihr wildes junges lachen. Kurz vor der
Landung stehen sie auf, legen ihre Gebetsriemen an und beginnen Gebete sprechend durch das
Flugzeug zu laufen. Sind sie auch vom Steward nicht zu bändigen auf ihre Plätze. Plötzlich sind
auch wir mitten in dieser Frömmigkeit, beten still doch mit Bewusstsein was die Technik uns
allen da ermöglicht hat.
Die Erde hat uns wieder, sicher sind wir gelandet. Nun sitzen sie wieder diszipliniert hinter uns,
die lieben wilden Jungen. Junge Männer, gerade erst getaucht in ihre Jugend, gierig verlangend
nach den Geheimnissen des Lebens.

 

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    Chartres 

 

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  Tel Aviv / Jaffa

 

                                                                                 2
                                   18.09.2011- Schalom Israel, Schalom Tel Aviv!
Mit dem Leihwagen sind wir ohne Komplikation gegen 21,00 Uhr in der Herberge Beni Dan
(Söhne vom Stamm Dan) angekommen. Herrlich das warme Wetter, wir sitzen in einem
Restaurant unweit unserer Herberge, Hunger haben wir und Durst.
Zurück ins Beni Dan – unser Auto hat den ersten Strafzettel – falsch geparkt!

                                                                                                                               19.09.2011
Unser Auto springt nicht an, Ines ist verzweifelt. Dazu die Sonne die uns kräftig wärmt, auch
unser „schönes schwarzes Auto“. Ines ruft den Service der Autovermietung an, leider gab es
Kommunikationsprobleme. Ich hatte eine Idee, wir rufen Uri an - ich schildere unser Problem -
Uri ruft die Autovermietung an - dann ruft er wieder uns an, um uns mitzuteilen, dass wir wieder
die Autovermietung anrufen sollen, er hat unser Problem auf hebräisch übermittelt – wir
schmoren bei 35° C in der Sonne, etwa eine Stunde ist vergangen, meine mitgebrachte
Schokolade als kleine Aufmerksamkeiten, sicherlich im Kofferraum geschmolzen, später dann in
Karkom haben Ines und ich andere Schokoladenformen kreiert – Ines ruft erneut die
Autovermietung an, der Mann am anderen Ende der Leitung ist auf uns vorbreitet – lediglich die
Reihenfolge der Entschlüsselung für den Start unseres Autos war falsch.
Neuer Startversuch, das Auto springt an, es bewegt sich, es rollt und rollt.
Uri ruft zurück, wir kreischen und lachen während der Fahrt nach Jaffa
– alles Toff meot! (sehr gut)

 

Jaffa, 21.06.2003

Manchen Tag mit dir
spür ich schon
wie mir die Jahre in die Knochen kriechen
wunderbar jung bist du
umschmeichelnd knabenhafte Klarheit                         
Wagnis Jugend
Ich eine Blüte mit lichten Blättern
Gönnst mir die Pause hier am Meer
an deiner Hand hier am Meer
wo meine Gedanken von den Wellen
in die Ewigkeit getragen
Gibst meiner Müdigkeit Kredit
Zerspringt mir mein Herz
in tausend bunte Scherben
                                                         I. – K. P. 04.12.03

                                        
Bild    Pause

 

Dieses Gedicht entstand nach einem Spaziergang mit Michael in Jaffa – jetzt beim schreiben
erinnerte ich mich daran.

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Tel Aviv


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                                                                               3
Es hat lange gedauert bis wir endlich spät am Abend in Karkom eintrafen. Dort wurden wir
herzlich von Hanna und Yehuda begrüßt. Sie hatten einen kleinen Imbiss vorbereitet der uns sehr
mundete. Ein Glas Rotwein und Ines ein Zigarettchen auf dem Balkon und wir lauschten in die
Nacht.
Eine erste Offenbarung gegen 3,00 Uhr in der Frühe meiner sprechenden Uhr, so nahm ich an.
Immer wieder versuchte ich den in der Uhr installierten „Hahn“ auszuschalten. Sicher hatte ich
die Uhr falsch gestellt. Doch der Hahn krähte unaufhörlich weiter. Ines wachte nun auch auf.
Ganz benommen forderte sie die Uhr abzustellen. „Geht nicht“, antwortete ich, und ich verstecke
die Uhr im Koffer und hoffe nun ist wieder Ruhe. Der Hahn kräht aber weiter – schallendes
Gelächter, als wir endlich bemerken das es ein echter, lebendiger Hahn ist, der ziemlich zeitig,
wie wir fanden, die Leute zu ihrem Tagwerk rief. Hoffentlich nicht jeden Tag, so flehten wir. Ines
ging hinaus um eine Zigarette zu rauchen und ich zog mir die Decke über den Kopf


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   Frühstück in Karkom

 

                                                                                            20.09.2011 Kapernaum und Umgebung
Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir gemeinsam mit anderen Pensionsgästen nach
Kapernaum aufgebrochen. Wir durchstreiften die Ruinen der Vergangenheit, Orte an denen auch
Jesus wirkte. Den Rest des Tages verbrachten wir am Ufer des See Genezareth.

 

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    Brotvermehrungskirche Heplageon - "Siebenquell"

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                                                                                4
                                                                                                      21.09.2011 Akko / Naharijah
Unsere nächste Exkursion führte uns in die alte Hafenstadt Akko, die hauptsächlich arabischen
Charakter trägt.
Wir schlenderten durch den Basar und ich musste natürlich den frisch gepressten Granatapfelsaft
probieren – hervorragend.
Zwischen bunten Tüchern stehend, umgeben von den Düften unterschiedlichster Gewürze,
beschallt von moderner arabischer Musik, den Rufen der Händler und nicht so wohl riechendem
Fischgeruch aber zu solch einer Kulisse gehörend, legten wir eine erste Kaffeepause ein.
Wir beschlossen die Moschee El Gaszar zu besichtigen. Zu uns gesellte sich eine junge Frau. Ali,
unserem Begleiter durch die Moschee, gaben wir für seine Erläuterungen ein Kleinod. Still und
laut war unsere Begeisterung und alle drei spürten wir wie die Erzählungen in uns selbst Gestalt
gewannen. Freundlich verabschiedeten wir uns von Ali, da fragte er mich im Gehen ob ich ihn
heiraten möchte. Ich bedankte mich und antwortete, im nächsten Leben ganz sicher.
Schukrann jasilan (arab. vielen Dank)
Unsere Begleiterin Hanna fragte uns wer wir sind. Wir, synchron, „wir sind Ines“! Bei einem
Kaffee stellten wir uns gegenseitig vor.
Hanna, eine junge Medizinstudentin, in Dresden lebend, sie absolvierte ein siebenwöchiges
chirurgisches Praktikum in Jerusalem. Da dieses beendet war unternahm sie einen Alleintrip
durch Israel.
Hanna erzählte uns mit viel Schwung von der Schönheit Israels, vom Eintauchen in Geschichte
und Gegenwart. Sie erzählte von den Menschen denen sie begegnete und das es schwer fällt die
eigene, vorgefasste Meinung über Politik und Religion zu kippen.
Beide Seiten, Jüdische und Arabische zeigen den Gästen ihr Herz und ihre Not. Ines war erstaunt,
dass es nicht nur den einen Weg, die Liebe, gibt. Da wo wir eine Angelegenheit von außen
standhaft betrachten, wird sie meistens von innen widerlegt. Es ist das alte Klagelied der Oberen
für die Masse gegen die Anderen. Dieses Eine, Uralte kommt nie aus der Mode, denn wer von
uns geht schon gern rückwärts?
Frieden, der sich an der Weggabelung – Lähmung oder Langeweile – entscheidet, ist nicht
Weisheit sondern Umweg in den Krieg.
      
Friedenswunsch


Ich wünschte,
dass der Krieg im Frieden ausruht
um dann den Entschluss zu fassen
im Frieden zu bleiben!
                                     I.K.P. 03.07.2011

Hanna ist fort und wir beiden debattierten noch ein wenig. Als wir bezahlen wollten war alles
schon erledigt – danke Hanna.
Plötzlich verspüren wir Lust zum baden – ans Meer zu fahren. Bahnen uns den Weg durch die
vielen Verkaufsstände, ich kaufe Seife und ein letzter Granatapfelsaft für heute muss es unbedingt
noch sein.

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auf dem Basar von Akko


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Caffe Pinguin

 

Unser Auto hat Fieber denn als ich die Autotür aufschlug waren im Inneren des Wagens
mindestens 45°C.
Da war es, das Meer. Dieses mal gönnten wir uns die Wasserpause am Strand von Naharia.
Bei unserer Ankunft klatschten die meterhohen Wellen Beifall da sie uns mühelos zu Boden
drücken konnten. Beide sind wir gegen die Kraft der Wellen ohnmächtig da wir nicht geübt sind
im Meer zu schwimmen. Artig wie die kleinen Kinder mit Buddeleimer, saßen wir am Rand des
Wassers, juchzten und lachten bei jeder Welle die uns umschmiss. Es ist genug, auch verspürten
wir Hunger. Beim Verlassen des Wassers, wurde ich auf dem Weg zur Dusche immer stiller. Ines
fragte nach meiner Befindlichkeit. Ich antwortete ihr, ich glaube ich werde alt denn ich vermutete
bei mir in folge des Salzwassers eine heftige Darmreizung.
Ich stellte fest, mein Badeanzug dehnte sich im Gesäßbereich schier unermesslich. Wie war ich
aber erleichtert, dass Ines bei sich und anderen Badegästen die gleiche Diagnose stellte.
Beim sitzen im Meer spülte das Wasser tausende und abertausende kleinster Steinchen und
Muschelreste in unsere Badewäsche. Beim laufen zur Dusche wurde diese ungewollte
Steinansammlung dem Stoff eine Last. Anstrengend war es die Steinchen beim duschen wieder in
die Natur auszusetzen, was auch die Folge von Lachsalven erschwerte. Die meisten der Steinchen
konnten wir uns von der Haut spülen, ein Rest begleitete uns nach Karkom durch die Nacht bis
zum nächsten Morgen da wir die Betten aufschüttelten – „zwei Prinzessinnen auf der Erbse“.
Zurück nach Naharia, die Stadt der „deutschen Jecken“! Die Stadt wo zu Beginn des 20.
Jahrhunderts deutsche Juden, zu meist Akademiker, das Land kultivierten. Oftmals wurden sie für
ihr „bittschön und dankschön“ welches sie mitbrachten und die Art wie sie Landwirtschaft
betrieben von Einheimischen belächelt. Zu Empfehlen der Dokumentarfilm „Die Nahariade“ von
David Witztum ( Israelisches Fernsehen). Heute leben in Naharia hauptsächlich russische Juden.
Das Café „Pinguin“ aus der deutschen Einwanderungszeit existiert noch. Bevor wir es uns dort
gut gehen lassen spielte ich Lotto. Eine schöne Illusion vom Gewinn und einem Häuschen in
Israel mit eigener Pension blieb bis zur Abreise mein Begleiter – jedoch …“alles eitel und
haschen nach Wind“ – König Salomo.
Im Café „Pinguin“, zwischen frischer Meeresbrise und Straßenlärm, saßen wir entspannt in
bequemen Korbstühlen bei Kaffee und einem riesengroßen Stück Schokoladenkuchen. Voller
Genuss, ich einen Campari – Orange „schlürfend“ und Ines ein Zigarettchen „schmokend“!
Zuhause in Karkom genossen wir sehr lange mit Rotwein und Zigarette den Abend auf dem
Balkon und lasen Gedichte.

 

                                                                             5
                                                                                                Safed, 22.09.2011
Heute besucht uns Uri. Er kommt aus Tel Aviv nach Karkom.
Uri war der Reiseleiter meiner ersten Israelreise im März 2001. Seid dem verbindet uns eine
Freundschaft, denn der Tag unserer Geburt ist der gleiche, nur um 22 Jahre verschoben. Uri
öffnete für mich mit sehr viel Respekt gegenüber einem behinderten Menschen sein Land.
Manchmal rufe ich ihn an wenn ich Sorgen hab.

 

              Israel, Israel
Nun endlich nach so langem Warten bin ich da.
Oh, Israel, Land der gekippten Realitäten!
In deinem Wind stehend
durchströmt mich neue Frische.
Ich atme deine Obstbäume, deine Felsen,
deine Wasser, deine Sonne, deine Menschen,
deine Freude, deine Trauer.
Und dennoch in deinem Schoß geborgen
steigt meine Lust aufs Leben.
In der Morgendämmerung
macht deine warme Sonne die Herzen weit.
Und in dem Trubel der Tagesgeschehnisse
sind gleich entfernt Vergangenheit und Gegenwart.
Im Abenddunkelrot beim Wein
kann ich dem vorbeigezogenen Tag
noch einmal nachspüren,
kann ich eingewiegt vom satten Meeresgesang
in die nächste Morgensonne hineinschlafen.
                                                                              I. – K. P. 2001

Lange lagen wir uns nicht mehr in den Armen.
Da Ines und ich uns für Mystik interessieren ist natürlich unser Ziel zusammen mit Uri als
Fachkraft die Stadt der Kabbala – Safed. Safed, ein Ort jüdischer Gelehrsamkeit.
Wir schlendern durch die Gassen die rechts und links von Händlern gesäumt sind. Manche bieten
Bücher dar oder die verschiedensten Gegenstände die man für einen Gottesdienst in der
Synagoge benötigt, die Minora, den Zeiger, der über die heilige Schrift beim Lesen führt, Kerzen
für den Sabbat und dazugehörige Leuchter, die Kippa die Kopfbedeckung der Männer, den
Davidstern als Kettenanhänger, und so weiter, sind zu haben.
Wir haben die Synagoge erreicht. Ich setze mich auf eine Bank, Uri führt Ines durch die Räume.
Irgendwie verwandelt diese Atmosphäre unsere Fröhlichkeit in Stille und Demut aus längst
Gewusstem.
Die Kabbala eine mystische Geheimlehre. Das erste Buch „Sefer ha-Bahir“ entstand um 1180
und war lange Zeit Grundlage der Kabbalisten. Die Kabbalisten suchen in unserer chaotischen
Welt eine verborgene Ordnung. Es wird erforscht wie Gottes Existenz in Verbindung mit dem
Bösen ausgesöhnt werden kann. Wenn dieses Geheimnis gelöst ist kann der ursprüngliche
Zustand der Welt, der nach dem Schöpfungsakt verloren ging, wieder hergestellt werden.
Noch etwas benommen verließen wir die Synagoge. Ein Kaffee und etwas zu essen versöhnte uns
für den Augenblick erst einmal mit der Welt. Am Nachmittag zurück in Karkom verabschiedeten wir Uri. Später dann, auf dem Balkon, mit Wein und Sekt, tauschten wir gegenseitig unsere geheimsten Gedanken aus. Wir diskutierten über die Lebenslinien die Menschen zertrennen oder zusammenführen, über das „…es ist so leicht…“, alles tun zu wollen gegenüber der Realität es wirklich zu tun, bis der Hahn krähte und uns zum Schlafengehen rief.

 

 

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   Ines und Ines beim Diskutieren in Safed

 

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   Safed

 

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   Ines und Uri

 

                                                                              6
                                                                                              23.09.2011 Berg der Seligpreisung
Berg der Seligpreisung, ein besonderer Ort für Ines. Voller Ehrfurcht durchschritten wir das
Areal, lauschten den Menschen die in den verschiedensten Sprachen aus der Bergpredigt lasen,
beteten und sangen.

 

                    Jesus
…überall der blaue Himmel
und doch
davor der Stern…
bis in alle Ewigkeit
                                      I – K. P. 25.07.2010

 

Zurück in Karkom luden Hanna und Yehuda Freunde, die anderen Gäste und uns zu einem
improvisierten Neujahrsfest (welches eine Woche später real stattfand) mit reichhaltigem Essen
ein. Es gab auch Kaffee und viel Torte sowie wohlschmeckenden Wein. Shana Tova – ein gutes
neues Jahr, prosteten wir uns zu, an diesem Abend, einem Freitagabend, wünschten wir uns
natürlich auch noch Sabbat Schalom – ein schönes Wochenende.
Im Gespräch mit meiner Gastgeberin stellte sich heraus das Hanna im Kibbuz Lavi, der sich in
der Nähe der Golanhöhen, circa 50 Kilometer von Karkom entfernt befindet, Lehrerin ist. Ich
flammte auf, im Dezember 2008 war der Kibbuz Lavi meine Herberge und ich war so sehr
begeistert wie auch meine Begleitperson, von der großen Herzlichkeit und Wärme der dort
arbeitenden Menschen. Dort, so dachte, ich könnte ich alt werden bis ich auf die andere Seite des
Paradieses wechsele.

                                                                                                         24.09.2011 Nazareth
Samstag rollte unser Auto mit uns nach Nazareth. Bevor wir die Verkündigungskirche besuchten,
genossen wir im Sonnenschein Zigarette und Granatapfelsaft.
Nazareth ist unter Anderem ein Zentrum der arabischen Christen. Wir gingen durch die
Einkaufsstraßen und für meine Lieben da Heim erstand ich in bester Qualität, in den schönsten
Farben, wie zum Beispiel rosa – lila, blau – grün, rot – gold, türkis – silberblau chargierende
Schals mit langen Fransen an den Enden. Leider musste ich zu Hause feststellen, dass die 15
mitgebrachten Schals nicht ausreichten. Es wäre wohl ratsam gewesen mit einem Händler einen
Vertrag geschlossen zu haben, um dann hier in Fürstenwalde ein Geschäft zu eröffnen!
Nun sitze ich in der Verkündigungskirche, falte die Hände und spreche ein Gebet. Ines
unterdessen, stieg hinab zum Altar, umrundete das Innere der Kirche und kam sehr glücklich zu
mir zurück. „Ich habe ein Wunder erlebt, hörst du ein Wunder Ines – Kathrin. Ich kann es dir
nicht verkünden, du wirst es mit mir zusammen spüren“. Ich lächelte sie an. Wir beide blieben
noch ein Weilchen auf der Bank sitzen, dann erhoben wir uns freudig und kauften Souveniere,
kleine Glücksbringer, für für uns wichtige Menschen.

 

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   Karkom -  Schabbat Schalom

 

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   Karkom 

 

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unser Weg in die Wüste

 

                                                                                                                                       24.09.2011
An diesem Abend hieß es auch Abschied nehmen von Karkom Abschied nehmen von den lieben
Gasteltern, von dem schönen bequemen Zimmer.

 

Man müsste weggehen können
und doch sein wie ein Baum
als bliebe die Wurzel im Boden
als zöge die Landschaft
und wir ständen fest
                                                      Hilde Domin


So machten wir uns am Abend auf zu einem Spaziergang in die Wüste, ein Weg den wir jeden
Tag von unserem Balkon aus sahen. An weit auseinanderliegenden Steinkolossen ließ sich ein
jeder von uns nieder. Ganz individuell wollten wir diese erste Woche in Karkom, in Galiläa, noch
einmal in uns aufnehmen.




Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg,
macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott.
                                                                          Jesaja 40, 3

 

Wir saßen bis spät in die Nacht mit einem Gläschen Wein auf dem Balkon. Oft in dieser Woche
fühlten wir uns in unsere Kindheit zurückversetzt, hatten ähnliche Erlebnisse mit den Großeltern
die wir so liebten. Wir dachten an die Zeiten im Pionierferienlager mit Pflichten und Verboten die
man heimlich umging.


                                                                                                                                      25.09.2011
Die Morgenröte hatte schon unsere Plätze auf dem Balkon angewärmt, eine letzte Zigarette, ein
letzter Kaffee und ein Seufzer – auf wiedersehen Hanna und Yehuda, auf wiedersehen Karkom.

 

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                                      wo ist das Murmeltier

 

Liste der Abwurfstellen der Kugeln meines Armbandes


Im vergangenen Jahr schenkte mir meine Freundin Cornelia ein hübsches Armband mit Kugeln in
den Farben des Regenbogens welche mit Engelsenergie gespeist waren.
Dieses Armband sollte mich beschützen und mir Stärke geben. Das Armband wurde mir mit der
Zeit unentbehrlich und nun auch mein Reisebegleiter.
Ines und ich saßen in der Kirche in Chartres, als ihr das Armband auffiel. Ich flüsterte ihr zu das
ich an diesem Ort die Kugeln mit der Kraft der Engel für unsere Reise neu auflade.

 

Wir werden Frieden finden.
Wir werden den Engeln lauschen und den Himmel sehen
funkelnd von Diamanten.
                                                         Anton Tschechow

 

Nur wenige Tage später, bei unserem Spaziergang durch Jaffa zerriss plötzlich das Armband. Die
meisten Kugeln passierten sekundenschnell das Pflaster der alten Hafenstadt.
Für einige Zeit war ich erschrocken und still. Mir kam die Idee, dass wir die restlichen Kugeln
spontan an die verschiedensten Plätze in Israel verteilen.

 

- eine blaue Kugel 19.09.2011, behielt Ines als meine treue Begleiterin und Helferin
- eine braune Kugel 19.09.2011, Domizil Vatikan Jaffa
für uns bedeutet dies, dass der Vatikan wieder geerdet wird und seine Überheblichkeit abstreift
- eine grüne Kugel 19.09.2011, auf dem Weg nach Karkom. An einer Raststätte ließen wir die
Kugel bei Georg, der Ines seine Telefonnummer gab und sie zum Baden nach Haifa einlud. Grün
steht für die Hoffnungen der Menschen, die uns auf der Reise noch begegnen werden
- eine dunkellila Kugel 19.09.2011, Abwurf aus dem Auto in Richtung Migdal ca. 19,45
Uhr. Der Ort der Maria Magdalena, den Ines so mag - dunkellila, für uns die Farbe der schon
angekündigten Liebe, vielleicht erfüllt sie sich ja doch noch und wenn nicht, bleibt sie eine
schöne Spannung im Herzen.
- eine dunkelblaue Kugel, 20.09.2011, – Brotvermehrungskirche, - guter Wurf, beim Abwurf
landete diese Kugel direkt in einem Pflanzkübel mit einem Olivenbaum. Blau – die Farbe der
Treue – wir kommen wieder, für uns auch die Farbe der Wunder, meine Lieblingsfarbe
- eine grüne Kugel, 21.09.2011 in die Menschenmasse auf dem Basar in Akko geworfen
- eine dunkellila Kugel, 21.09.2011 - Naharia
- eine blaue Kugel, 22.092011, Safed – wir besuchen die Synagoge und beim herausgehen
werfen wir die Kugel
- eine rote Kugel, 24.09.2011, Nazareth – wir werfen eine rote Kugel – rot bedeutet für uns
unumstritten Wärme des Herzens und Liebe
- 24.09.2011 Karkom – Ines und ich werfen jeweils eine Kugel (Farben unbekannt) auf
unserem Weg in die Wüste
- eine orange Kugel 25.09.2011 Haifa - orange – für den Sonnenauf – und untergang ,für
das Erwachen des Lebens und sein Ende… und noch eine grüne Kugel
- eine dunkelblaue Kugel 25.09.2011 ca. 22,00 Uhr – Einzug in Jerusalem

 „Als der Herr die Schönheit verteilte gab er neun Teile an Jerusalem und einen Teil dem Rest der
Welt.“                                                          (Buch Pilgerreise im Land Seite 174)

- eine grüne Kugel 28.09.2011 Tel Aviv
- 29.09.2011 1,00 Uhr Borga toff (guten Morgen) auf der Terrasse der Herberge Izrak
Rabin – wir warfen beide jeweils eine Kugel mit Wünschen in den ersten Tag des neuen Jahres,
dazu schmogte Ines ein Zigarettchen und ich trank ein Gläschen von Uris Selbstgebranntem
le chaim (zum Leben)
- eine dunkelblaue Kugel 01.10.2011 Masada – Synagoge (letzte Kugel und letztes Foto
da der Speicher der Kamera gefüllt war.)
- eine lila Kugel, Oktober 2011 – Chartres / Frankreich – Ines wirft die letzte Kugel

 

Man weiß erst dann,
ob man einem Engel ins Gesicht gesehen hat,
wenn er wieder gegangen ist.
                                                          Jüdische Weisheit

 

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   Jerusalem 

 

Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist

David Ben Gurion

Gott ist Liebe,                                                  Gefangene Madonnen

wer in der Liebe bleibt,       Gefangene Madonnen, ihr Dasein gefristet

der bleibt in Gott              in den Dunkelkammern defekter Netzhäute.

und Gott in ihm.                                      Licht ist ihnen ihre Fantasie.

1. Johannes 4, 16b                                   Beflügeln sie ständig Engel.

                                                                        Gefangene Madonnen

                                                  pendeln sie zwischen Mut und Angst.

                                                        Balancieren sie aus den Träumen

                                                                         in das Wagnis Leben.

                                                                                                                                        I.-K.P. 23.06.2004

Ines Hanusch                                                                Ines - Kathrin Pape geb. Hiller

4691.11.31                                                                                                      3691.60.41

                                                                    1997 erblindet - Spätfolge Diabetis mellitus

 

                                                                                7
                                                                                                                         25.09.2011
Haifa

Bevor wir uns auf den Weg nach Jerusalem begaben fuhren wir nach Haifa. In der Nähe der
Karmeliter – Klosteranlage tranken wir ein Käffchen. Ein Straßenmusiker spielte, nachdem er
mich entscheiden ließ zwischen „Ave Maria“ und „Amazing Grace“ (Ein schöner Tag), „Ein
schöner Tag“ für uns. Viele Passanten hielten inne und lauschten der Musik. Wenige waren bereit
eine Münze auf das neben dem Musiker ausgebreitete Tuch zu legen.

Stella maris – Stern des Meeres,
– eine Höhle, vorübergehende Zufluchtsstätte des Propheten Elias,
– Erstes Buch der Könige, 18, 31 – 39,
– später Kloster des Karmeliterorden

Den aus dem Garten meines Elternhauses mitgebrachten Stein für Herrn Zirkin legte ich unter
eine Palme mit Meeresblick. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Herrn Zirkin
während all meiner Israelreisen in Haifa nicht besuchte.
In den Reisegruppen war die Zeit zu knapp. Oftmals musste ich als Behinderte erleben das die
Menschen mit der verbalen Hilfe gleich zur Stelle sind aber bei einer mobilen Aktion sich
wegdrehen, weil alles so kompliziert! Wenn Hilfe erfolgte so wurde von mir als Behinderte zu
achtzig Prozent vom Helfer verlangt mich unterzuordnen, das ist nicht immer leicht auszuhalten.
Danke an Ines, denn sie ist eine der wenigen Menschen die auch einmal die Sichtweise wechselt.
Herr Zirkin war russischer Herkunft. Er konnte nach einer gelungenen Flucht dem
Vernichtungslager entkommen und später dann Israel erreichen. Herr Zirkin war wie mein Vater
Briefmarkensammler. Beide verband eine liebe schriftliche Freundschaft die im Jahre 1990 bei
einem einzigen Besuch in Fürstenwalde einen Höhepunkt erreichte. Ich habe sie verpasst, diese
Begegnung. Herr Zirkin erfuhr von meinem Vater das ich schon als Kind an Diabetes mellitus
erkrankte und es berührte ihn sehr da seine Frau ebenfalls Diabetes hatte. Seid dem bekam ich bis
Dezember 2000 jedes Jahr zu Weihnachten eine Kiste mit riesengroßen Pampelmusen aus Haifa.
Ein Symbol der gegenseitigen Achtung und Liebe.
Im Juni 2001 rief er mich an und fragte wie mir der erste Besuch im März 2001 in Israel gefallen
hat. Seine Stimme war mir sofort vertraut als er mich bei meinem Namen rief.
Kurz darauf begab er sich zu seiner Frau auf den Weg in die Ewigkeit.

 

In der Tiefe meiner Seele liegen all meine Sehnsüchte
und die Hoffnung auf ein Zeichen von Dir.
Ich weiß, eines Tages wird es so sein.
Solange verbirgt sich mein Glauben an diesen Traum
in dem Blick auf Dein Bild.
                                                                  I. – K. P. 1996
Toda raba Herr Zirkin (Danke schön)

 

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   Blick von Stella Maris auf die Bucht von Haifa 

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   Haifa 

 

Wiedereinmal fuhren wir an das türkisblau glitzernde Meer. Die Sonne zog ihre Strahlen ein und
rollte auf der Horizontalen in das Abenddunkelrot.
Ein wichtiger Besuch bei meiner lieben Margalit füllte noch mein Herz. Wird sie für uns Zeit
haben? Da ich den Besuch nicht angekündigt hatte, na ja wie das so ist mit dem Gefühl, plötzlich
hatte ich Angst sie genau so zu verpassen wie damals Herrn Zirkin.
Margalit ist 91 Jahre. Sie hat zum Glück die Haft in einem Konzentrationslager überlebt. Nach
dieser Zeit ging sie nach Israel um für sich und andere eine neue Heimat aufzubauen. Heute noch
besucht sie Deutschland und berichtet jungen Leuten. In ihren Vorträgen ist ihr nicht wichtig eine
detaillierte Schilderung von Grausamkeiten darzustellen. Vielmehr erinnert sie uns an die Größe
des Verzeihens. Nicht jene plumpe Verzeihung, bloß mal so dahingesprochen. Gemeint ist jenes
Verzeihen das Zeit benötigt, das wir in uns hin und her transportieren um dann Vorurteile zu
minimieren
Margalit ist eine lebenslustige Frau und ich kann mit ihr all die Dinge der Moderne betrachten,
witzig sein und sie ist sehr couragiert wenn es um das Glück des Anderen geht und sie tröstet
sogar bei Liebeskummer. Für Ines und mich waren es zwei jener unvergesslicher Stunden mit
Margalit in ihrer gemütlichen kleinen Wohnung, die unser Herz sammelt.
Toda raba – meine Freundin Margalit.

 

Lebenslinie
Ich verlasse niemals die Menschen
die mein Herz sammelt
… vielleicht räumlich
… vielleicht körperlich.
Und ihr?
                                           I. – K. P. 10.11.2009

 

Gegen 22,00Uhr erreichten Wir Jerusalem.

 

Sterne fallen leise
Doch sie brennen endlos
in den Wartesälen der pochenden Herzen
Mein Lächeln zeigt dir deinen Weg
Beende dein Zweifeln
Vertraue
                                         I. – K. P. 07.09.2005


Gute Nacht Ines und Ines

 

                                                                          8
Jerusalem
                                                                                                                       26.09.2011
Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserer Herberge „Jizrak Rabin„ erkundeten wir die
Umgebung ums Rabin, viel Natur und einige Wohnhäuser. Wir beschlossen in das moderne
Jerusalem zu fahren. Einkaufen wollten wir, Karten schreiben und Menschen betrachten,
vielleicht mit einigen eine Unterhaltung beginnen.
Auf dem „Ben – Jehuda – Boulevard“ gab es ein zweites Frühstück.
Einkaufen war für mich zu einem Glücksspiel geworden da meine Visa – Card nicht überall
funktionierte.
Im Anschluss sorgten wir in der Post für ein ziemliches Durcheinander. Wir wollten 40
Briefmarken für unsere Karten nach Europa kaufen. In der gesamten Poststelle wurde nun
gesucht. 38 Briefmarken waren zu haben, mehr „Europa“ ging an diesem Tag nicht. Das Lachen,
Suchen und Zurufen, wo sich noch Briefmarken befanden, machten das Innenleben der Post zu
einem Marktplatz.
Zum Abend wollten wir uns mit Ruth B. verabreden. Ich versuchte sie anzurufen was leider nicht
gelang. Ines sprach einen jungen Mann an ob er uns behilflich sein könnte. Nachdem sich
herausstellte das wir eine falsche Telefonkarte eingekauft hatten gab er Ines sein i – Pad. Der
junge Mann zeigte uns auch noch auf seinem Display wie wir am günstigsten von unserer
Herberge zum Restaurant unseres abendlichen Treffs gelangen. Beide waren wir verblüfft über
diese Hilfe und Freundlichkeit. Überlegt haben wir, ob in Deutschland jemand so einfach sein I –
Pad oder Handy einem Ausländer geliehen hätte.
Gegen 20,00 Uhr trafen wir im „Hillel“ ein.
Hillel aus Babylon, einer der Begründer der mündlichen Lehre, höchste Autorität des Gesetzes
vor der Tempelzerstörung. Er lehrte etwa dreißig vor null bis zehn nach null und er war ein
Vorbild für Sanftmut und Gelassenheit.
Ruth pirschte sich von hinten an mich heran und umarmte mich. Ich stellte ihr Ines vor.
Kennengelernt habe ich Ines durch die Freundin einer Freundin, durch Ilse. Ines lebt seit sechs
Jahren in Frankreich, vorher hat sie eine Weile in der Nähe meiner Heimatstadt gewohnt. Beide
haben wir so ziemlich die gleiche DDR – Vergangenheit die uns zu Verbündeten macht. Ab 1990
verliefen unsere Biografien sehr gegensätzlich. Seit März dieses Jahres lernten wir uns per
Telefon näher kennen und ich war froh als sie mir als Helferin und freundschaftliche Begleiterin
für meine Israelreise zusagte.
Wir saßen am Tisch, die Kellnerin hörte uns deutsch sprechen und flippte fast aus. „Deutsch“,
sagte sie, „Deutschland ist einfach klasse“. Sie war schon überall in Europa zu Gast aber in
Deutschland gefällt es ihr am besten, besonders in Potsdam und Leipzig. Glücklich und laut
lachten wir verzückt über so schöne Komplimente und so viel Gastfreundschaft.
Zu jedem Tisch im „Hillel“ gehört ein Monitor. Wir lesen in der Speisekarte, bestellen bei der
Bedienung und können auf dem Monitor detailliert sehen was wir essen werden.
Ruth hat mir 2008 sehr geholfen, sie begleitete mich zu einem Freund, zu einem Zeitzeugen des
Holocaust, wofür sie meinen Dank auf ewig hat. Durch die Vermittlung des
Behindertenbeauftragten von Tel Aviv, den ich damals von Deutschland aus anrief, bin ich mit
Ruth bekannt geworden. Ruth und ihr Mann arbeiten bei wissenschaftlichen Projekten mit.
Mehre Monate im Jahr arbeiten sie auch in Deutschland, angefordert von der Landesregierung
eines unserer Bundesländer. Sie werden gebeten teilzunehmen bei der Aufarbeitung der
Geschichte jüdischer Friedhöfe in Deutschland.
Das Essen schmeckt, wird kalt weil wir drei ununterbrochen miteinander reden.
Ines liest die Getränkekarte vor. Um den „Kosmopolitischen Drink“ komme ich nicht herum…
und ich könnte noch mehr davon…. in einem Glas versammelt, mit wenigen Schlucken, trinke
ich das ganze Universum.
Es ist spät geworden, wir verabschieden Ruth und blicken ihr nach.

 

                                        Schneeglöckchen
Die Schneeglöckchen flüstern mit Anmut vom Kommenden.
Mit Sehnsucht
mit Erinnerung
mit Fantasie
bringen die Frühlingslüfte mir dein Bild.
Streichle die Spinnweben fort.
Küsse vergilbte Bilder.
Und warte still.
                                                  I. – K. P. 06.01.2007

 

…blicken Ruth nach, blicken ihr nach…. schlendern zum Auto. Klar, im „Hillel“ wird unser
Abschiedsabend stattfinden
Uri ruft an, der Ausflug in Safet mit uns tat ihm gut, deshalb möchte er uns morgen das alte
Jerusalem zeigen.
Glücklich sitzen wir auf der Terrasse im „Rabin“. Ines, weil sie nun auch ein Gläschen Wein
trinken kann und ich, weil wir für morgen einen Stadtführer haben. Brauche mich also nicht
bemühen, kann leicht sein, trinke auch noch ein Gläschen – zum Leben!

 

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    Der Schekel, eine ziemlich konstante Währung, 50 Schekel etwa 10 – 12 Euro

 

                                                                      9
                                                                                         27.09.2011, zweiter Tag Jerusalem
Ich halte Ines die Tür von unserem Zimmer auf und singe dabei für sie „Ein schöner Tag“.
Uri wartet bereits im Foyer auf uns.
Nachdem wir Psalm 133 gelesen haben beginnt unsere Fahrt in die Altstadt.
Ines hat für den Herrn Jesus eine weiße Leinenbluse angezogen. Sie ist sehr aufgeregt als wir in
der Via Dolorosa den Leidensweg Jesu in Richtung Grabeskirche hinaufsteigen. Nahe der
Grabeskirche setzte ich mich auf ein Bänkchen. Ines und Uri verschwinden in der
Menschenmasse um all jenes zu besichtigen was ich selbst schon mehrere Male erleben durfte.
Danach gab es ein erstes Kaffeepäuschen mit Imbiss.
Uri setzte unser Auto um und wir zwei machten uns auf den Weg zur Klagemauer. Ein Weilchen
saßen wir mit anderen Touristen zusammen auf alten Steinquadern. Ich gab Ines meinen kleinen
Zettel und sie ging zur Klagemauer auf die für Frauen vorgeschriebene Seite.
613 Vorschriften gibt es die man in der Tora nachlesen kann.
248 Gebote, so viele Knochen hat der Mensch, und 365 Verbote, so viel, wie das Jahr Tage hat,
beides sind Zahlen der Vollkommenheit.

 

Abram war neunundneunzig Jahre alt, da erschien der Ewige Abram und sprach zu ihm:
<Ich bin der gewaltige Gott, wandle vor mir und sei untadelig. Und ich will meinen Bund setzen
zwischen mir und dir, und ich will dich mehren über die Maßen.>
Da fiel Abram auf sein Angesicht, und Gott redete mit ihm und sprach: < Ich, sieh, mein Bund
besteht mit dir, und du wirst werden zum Vater eines Heers von Völkern. Darum sollst du nicht
mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn zum Vater eines Heers von
Völkern habe ich dich bestimmt. Und ich mache dich fruchtbar über die Maßen und lasse dich
werden zu Völkern;...>
                                         Die heilige Schrift, erstes Buch Mose, Kapitel 17 nach Naftali Herz Tur Sinai

 

Ich wartete und betete, dazu tat die Sonne ihr Übriges um mich zufrieden zu stellen.
Uri holte uns ab. Unser Rückweg führte uns durch das arabische Viertel, vorbei an vielen
Verkaufsständen. Vor einem kleinen Lädchen verweilte Ines, indessen trank ich wieder einmal
einen Granatapfelsaft. Als ich mich zu ihr umdrehte war der Ladenbesitzer mein Gegenüber. Er
lud mich, in einem spärlichem Deutsch, das ich trotzdem bewunderte zum betrachten und kaufen
seiner Waren ein. Somit konnte ich ihm in meiner Sprache antworten das ich blind bin. Da nahm
er meine Hand auf sein Herz und führte mich für einen frischen Pfefferminztee in seinen Laden.
Uri und Ines folgten. Gemeinsam mit dem Ladenbesitzer um einen kleinen Tisch versammelt
tranken wir nun alle Tee. Ines kaufte zwei Tücher. Ein Weißes für sich und für mich in lila das
Gleiche, mit Pfauenaugen, Strasssteinchen und Samtanteil - der Pfau mit seinen tausend Augen,
die mich sehend machen sollen. Herzlich verabschiedeten wir uns voneinander.

 

…die Ewigkeit ruft
sei genügsam
verlass dich nicht
sei lebend – jetzt
eine Wanderung in den Spuren der Vergänglichkeit…
                                                                I. –K. P. 12.12.2010

 

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Unser Weg führte uns zum Berg Zion. Unter einer Zeder legte ich noch einen Stein aus
Fürstenwalde für meinen lieben Freund Izrak Z. ab. Seine Geschichte durfte ich aufschreiben und
sie hat Ines und mich zueinander geführt. Zum Glück gibt es Menschen die Geschichte,
Ereignisse, Kultur und so weiter transportieren. Jener Izrak war es, zu dem mich Ruth von
gestern Abend, 2008 begleitete. Er war damals schon sehr krank und beide wussten wir das dies
ein erster und letzter Besuch war. Ich, die Blinde, habe mich aufgemacht nach Jerusalem um den
Überlebenden des zweiten Weltkrieges noch einmal zu umarmen. Auch Ruth zuckte zusammen
als Izrak seinen Sohn bat ihn beim Aufrechtstehen zu stützen, Herz an Herz wollte er mit mir
stehen. Ein Jahr später erlosch die Flamme seines irdischen Lebens.

 

Mit dem ersten Sonnenstrahl
verabschiede ich
den Wunsch der letzten Nacht
und begrüße mit Schwung
eine neue Hoffnung
Oh mein Gott
sei bei all denen
die ich in meinen Tränen wiege
                                        I. – K. P. 21.07.2003

 

Izrak lernte ich durch den Pfarrer Rudi Karl Pahnke in Frankfurt / Oder kennen. Rudi betreut
Zeitzeugen des 2. Weltkrieges und das Projekt „Jugendaustausch Israel – Deutschland“ zu dessen
Kurs ich mich 2002 – 2004 entschlossen hatte.
Izraks Herkunft ist polnisch. In seinem Vortrag berichtete er unter Andrem über seine Flucht aus
Polen nach Palästina. Nach einem dieser Vorträge in Frankfurt / Oder kam eine Junge Frau auf
ihn zu und redete ihn in polnischer Sprache an, er war gerührt und antwortete ihr kurz. Die Junge
Frau, etwas irritiert fragte mich, die ich daneben stand, ob ihr polnisch verständlich war da sie es
extra für diesen Abend gelernt hatte. Ich antwortete ihr das ich Izrak an diesem Abend ebenfalls
erst kennen gelernt habe, keine Polin bin. „Aber das Polnisch klang gut, fand ich“ sagte ich zu
ihr. Sie nahm an ich sei die Enkeltochter die ihren Großvater begleitet – wir drei lachten herzlich
miteinander.
Mit Izrak konnte ich in wenigen Telefonaten, Briefen und Besuchen über Gott reden und
schweigen.


In der Nähe der Zeder befand sich die Maria Magdalena – Kirche, wie Ines zu ihrer Freude
feststellte. Am 29.09., vor 123 Jahren wurde diese Kirche in Jerusalem eingeweiht.

 

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   Aussenmauer Jerusalemer Altstadt

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   Klagemauer

 

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Bevor wir uns zu einem gemeinsam gewünschten Ziel aufmachten wurde mir ein lang ersehnter
Wunsch erfüllt. Ines und Uri begleiteten mich zum Grab von Else Lasker – Schüler.
Sie war eine der größten deutschen Dichterrinnen, am 11.02.1869 bei Wuppertal geboren und am
22.01.1945 in Jerusalem gestorben. Wohlbehütet aufgewachsen in einer Bankiersfamilie. Sie
führte ein buntes Leben, oftmals in großer Armut. Kurz nach Erhalt des Heinrich – von Kleist -
Preises musste sie 1933 Hals über Kopf aus Deutschland in die Schweiz fliehen. Ihre letzten
sechs Lebensjahre verbrachte die „Ewig Verliebte“ einsam und oft nach Nahrung bettelnd in
Jerusalem.

 

Ich kann nicht schlafen mehr.
Immer schüttelst du Gold über mich.

Und eine Glocke ist mein Ohr,
Wem vertraust du dich?

So hell wie du,
Blühen die Sträucher im Himmel.

Engel pflücken sich dein Lächeln
Und schenken es den Kindern.

Die spielen Sonne damit
Ja…
                                               Else Lasker – Schüler

 

Ihre Bücher und Gedichte sind für mich eine der höchsten Freuden in meinem Leben.
In tiefer Verehrung für sie lege ich den Stein meines Sternzeichens, das Tigerauge auf ihre
Grabplatte.

 

Da bin ich, liebe Freundin Else
nie Getroffene
liegst vor mir unter der dicken steinernen Platte
doch dein Geist rinnt durch jede Ritze Stein
und Sonne überflutet die Schatten
                                                      I. – K. P. 29.09.2012

Mit einem tiefen Seufzer gehe ich.

 

Nun fuhren wir zu Keifas Haus am Berg Zion. Warum wir beide hier her wollten können wir
nicht sagen. Als Ines mich vor unserer Reise am Telefon fragte was ich alles in Israel machen
möchte sagte ich, das ich unbedingt diesen Ort bzw. das darin befindliche Gefängnis im
Kellergewölbe aufsuchen will. Sie sagte mir das es auch ihr unbedingter Wunsch sei.
Nun standen wir an der Treppe zum Gefängnis, einer Pilgergruppe aus den USA bei ihrem
Gottesdienst lauschend. Beim hinaufsteigen der Stufen sang die Gruppe „Emacing Grace“. Wir
waren gerührt und Ines weinte. Ich sang für sie und auch für Uri noch einmal „Ein schöner Tag“.
Ja so war es, so interessant wie unser Tag begonnen hatte so endete er. Draußen lief Ines ihre
Spur und versenkte ihre Schritte in die Mystik der Geschichte.
Über eine Einladung in Uris Familie zum morgigen Neujahrsfest freuten wir uns sehr. Für heute
verließ uns Uri.
Am Abend fuhren wir noch einmal in das moderne Jerusalem um Blumen für Uris Frau und
Tochter einzukaufen und um unseren Weinvorrat zu erneuern.
Ein sehr kalter, kräftiger Wind sauste durch die Einkaufspassage. Ein Käfchen und die Zigarette
waren die richtige Wärmflasche für uns. Überall rief man „Shana Tova“ in etwa „ein guter Rutsch
ins neue Jahr“. Es beflügelte mich zurückzurufen in dieser so anderen geheimnisvoll klingenden
Sprache. Immer wieder rief ich Shana Tova. Im Discounter, an der Tankstelle, es machte großen
Spaß. Eine Bettlerin säumte meinen Weg und auch sie bekam neben dem Geld ein „Shana Tova“.
Ines macht den Bettlern in Chartres ab und zu kleine Geschenke, erzählt sie mir.
Ich gebe Geld, jeder kann damit machen was er will. Durch die Kürze der Begegnung kann ich
sein Leben nicht ändern, (sollte ich ?) der Mensch freut sich, egal ob er Brot oder Schnaps kaufen
wird.

 

Tauche ein
in das Leben
egal
ob es die Zweifel oder die Freude sind
glücklich und satt wirst du nur dort sein können
wo
neben Liebe
auch
Respekt und Achtung
Platz finden
                                             I.– K. P. 1985

 

Noch immer durchgefroren, in unserer Herberge angekommen, ist uns klar, es müssen noch
einige Gläschen Wein zur Erwärmung der kalten Knochen sein. Dies ist Prophylaxe, so zu sagen
medizinische Vorsorge!!!

Gute Nacht

 

                                                                        10
                                                                              28.09.2011, dritter Tag Jerusalem
Rosha Schana bei Gilli und Uri Schacham
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg ins Museum „Schrein des Buches“.
Sehr freundlich empfing uns das Personal und wies uns in unserer Landessprache auf den
Komfort für Behinderte hin. Wir durchschritten einige der vielen Räume dieses Areals. Ines
erklärte hervorragend die Gestaltung der Räume sowie die in den Vitrinen befindlichen Exponate
und Symbole. Uralte Schriften, unter Anderem auf Tierhäuten, zumeist Ziegenhäuten verfasst,
waren zu bestaunen. Nach einer guten Stunde ließen wir uns im Innenhof auf zwei Stühlen nieder
und begannen Geschichtliches zu debattieren. Unsere anfängliche Unterhaltung wurde immer
heftiger und lauter. Wir gerieten in Streit über die Bedeutung Jesu im Judentum, das Christentum
überhaupt und dessen Verbreitung durch den Apostel Paulus. Wir stritten über die Gesetze der
Tora, über Moses und das alte Ägypten. Wie betrifft uns heute in der Gegenwart die Geschichte
des „unsichtbaren Gottes“, was bedeutet Religion und ist die Bibel nur Religion, und nicht
zuletzt, zählt nur der Weg der Liebe?
Ich brach ab, dieser Tag sollte nicht so früh sterben. Ich blieb stumm.

 

Wenn ich weiß was du siehst, kann ich dir sagen wohin wir gehen.
                                            Spruch Ines Hanusch, 28.09.2011, 10.55 Uhr

 

Mit diesen Worten schnappte Ines mich und wir betraten den Souvenirladen. Mir schien, das
Personal nahm unseren frostigen Umgang intensiv wahr. Ines wies mich auf einen Granatapfel
aus Keramik hin, wunderbar lag er in meinen Händen, doch voller Trotz sagte ich „zu teuer“!
später ärgerte ich mich über mich selbst, dass ich den Apfel nicht gekauft habe. Ines kaufte
Lesezeichen und beim Verlassen des Ladens fragte der Verkäufer mich ob ich eine gute
Begleiterin habe – nun wieder lächelnd sagte ich „ja“.
Zurück im „Rabin“ machten wir uns ein wenig zurecht für unseren Besuch bei Familie
Schacham. Für die Blumen, als Transportgefäß, füllte Ines den metallenen Papierkorb aus
unserem Zimmer mit Wasser. Schwer atmend schleppte sie dies alles zum Auto. Während der
Fahrt nach Tel Aviv kicherten wir, hoffentlich gab es im „Rabin“ keine versteckte Kamera. Wenn
doch so war die Blumenvasenaktion sicher ein gelungener Werbespott für „Fleuropdienste“ oder
„Gelegenheit macht Diebe“.
Tel Aviv, wir beschlossen eine Kaffeepause mit Kuchen und Zigarette einzulegen.
Ich erzählte Ines von meiner ersten Begegnung in Tel Aviv mit Roman Frister.

1997 sah ich in der ARD eine Talkshow in der Alfred Biolek Roman Frister und sein Buch
„Die Mütze oder der Preis des Lebens“ vorstellte. Natürlich wollte ich dieses Buch haben.
Auf einer wenige Tage später stattfindenden Party erzählte ich einigen Leuten von dem Buch.
Eine Woche später erhielt ich das Buch als Geschenk von einem der Partygäste.
Es stand ein Jahr in meinem Bücherschrank und eines nachts fing ich an zu lesen und konnte
nicht mehr aufhören.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich Israel überhaupt einmal besuchen werde, 2001 klappte es zum
ersten mal. Während ich auf die anderen Gäste meiner Reisegruppe wartete fragte ich Uri
„Kennen sie Roman Frister“? „ja ich kenne ihn aus dem Fernsehen, er ist Journalist“.
„Mit dem möchte ich nächsten Montag Kaffee trinken“ erwiderte ich etwas gewagt. „Ist in
Ordnung“ antwortete Uri“.
Es war Frühling, das Land blühte, wunderschön die farbenprächtigen Usambaraveilchen zu
bestaunen, das Grün der Palmenwedel mit denen der Wind uns zuwinkte, die Keffepausen mit
den wohlschmeckenden Süßigkeiten, Honigkuchen und Gebäck die uns angenehm begleiteten.
Das Meer, das blaue, das so manche Träne von uns in sich aufnahm. Die grau – gelben Felsen,
die uns wie Gouvernanten vor der Wildnis warnten. Nicht zuletzt die Sonne, die Goldene, die
allmählich unsere Emsigkeit in angenehme Lässigkeit umwandelte.
Die Woche verging und voller Bitterkeit fragte ich Gott „Was ist nun mit den Wundern, DU weißt
ich wollte Frister treffen.“
Gemütlich plaudernd saßen wir in einer Herberge am See Genezareth, als plötzlich Uri mir sein
Handy gab. „Bitteschön, Roman Frister für dich in der Leitung“.
„Nein, nein was soll ich sagen“? „vielleicht Guten Abend“ meinte Uri. Mir zitterte die Hand, ich
stotterte. Roman Frister lud mich für den nächsten Tag auf einen Kaffee in meinem Hotel ein.
Furchtbar aufgeregt wartete ich im Foyer auf den Mann des Buches „Die Mütze oder der Preis
des Lebens“, auf den Überlebenden des zweiten Weltkrieges, auf den Mann aus dem Fernsehen,
auf den Gentleman.
Als er kam begrüßte er mich wie eine Verwandte, nahm meine Hände in seine und sagte: „über
mich wissen sie alles, jetzt erzählen sie mir von sich.“
Einige Begegnungen und Briefe gab es in den letzten Jahren zwischen uns und irgendwie haben
wir beiden das Gefühl als ob wir uns immer kannten.
Nachfolgende Widmung, die mir sehr schmeichelt, schrieb er mir in sein Buch.

                                                               Bild 

Leider können Ines und ich Roman nicht in Israel besuchen da er seid 2009 in Polen lebt.

 

Wenn wir uns ansehn,
Blühn unsere Augen,
Und wir staunen
Vor unseren Wundern – nicht?
Und alles wird so süß.
Von Sternen sind wir eingerahmt
Und flüchten aus der Welt.
Ich glaube wir sind Engel.
                                        Else Lasker – Schüler

 

Nun wird es aber Zeit für den Besuch bei Uri. Endlich angekommen warfen wir uns die
Pfauenaugentücher über die Schulter, schenkten den Gastgebern die Blumen und wurden
freundlich ins Haus gebeten. Auf der Terrasse machten wir es uns bequem und kosteten von Uris
Granatapfelkompott. Eine aufwändige Puzzlearbeit die kleinen Fruchtkerne aus dem Apfel zu
pulen. Ein Essgenuss ohne Ende für mich.
Gilli, Uris Frau kam zu uns und wir tauschten Biographien aus. Gilli ist Musikpädagogin und
berichtete von ihrer Arbeit mit behinderten Kindern. Durch das Erlernen und Spielen von
Instrumenten kann der Lebensrhythmus der Kinder günstiger beeinflusst und begleitet werden.
Außerdem, so denke ich, ist Musik für fast jeden Menschen entspannend.
Ines ist gelernte Hotelfachfrau und hat Fähigkeiten zur Ausübung als Heilpraktikerin erworben.
Sie lebt seid sechs Jahren in Frankreich wo sie liebevoll Haus und Garten für sich und ihren
Lebenspartner umsorgt. Nicht zu vergessen die Bettler in Chartres.
Tammi, eine Tochter des Hauses Schacham ist Inhaberin eines kleinen Fotoateliers, auch arbeitet
sie als Cutterin bei Filmprojekten mit.
Ich bin seid 1997 blind und kann meine Berufe als MTA für klinische Chemie und als
Sozialarbeiterin nicht mehr ausüben. Eine alte Liebe, das Schreiben habe ich aufgefrischt. Einmal
die Woche besuche ich einen Kindergarten, kann dort wunderbar wieder Kind sein, spiele mit den
Kleinen und erzähle ihnen ausgedachte Geschichten. Ab und zu organisiere ich Lesungen mit
meinen Gedichten wobei mich musikalisch der „Rosiankachor“ meines Städtchens begleitet.
Uri war viele, viele Jahre Reiseleiter in Israel, manchmal begleitete er auch Gruppen in
Deutschland. Er hat nun vor einigen Jahren diesen Beruf vertauscht mit dem eines Polizisten.
Uri zeigt uns den Garten – ein großes Anwesen mit Orangenbäumen, Granatapfelbäumchen und
reichlich anderen Pflanzen.
Schana Tova – nun ist es da, das neue Jahr.
Schana Tova prosten wir uns mit einem Gläschen Wein zu. Le chaim und Masseltoff (Glück)
wünschen wir uns, dazu tauchen wir Apfelstückchen in Honig – „..auf dass das neue Jahr noch
süßer wird als das Vorherige…“, heißt es in der Tradition und auch Gesundheit wünschen wir
uns.
Gilli hat Speisen zubereitet und eine leckere Pilzsuppe gekocht die wir zwei am liebsten restlos
aufgegessen hätten. Wir saßen noch eine gute Zeit zusammen und schnatterten in hebräisch,
deutsch und englisch durcheinander wodurch jedes mal Situationskomik entstand und sich durch
die Zweideutigkeit in lautes Gelächter ergoss.
Toda raba, Uri, Gilli, Tammi, wir umarmten uns freundschaftlich denn die Zeit zu fahren, nach
Hause, nach Jerusalem kam heran
.

Im Auto waren wir still.
Ich dachte an meine liebe Hanna Sekàtzek der ich 2003 in Beni Dan begegnet bin.
Mein Blindenstock tastete die Wand entlang. Plötzlich bog er um eine Ecke und stolperte mit mir
einige Treppenstufen hinunter, da fing mich liebevoll jemand auf. Auf deutsch sagte ich Danke
und Hanna freute sich über dieses Deutsch, da sie selbst es lange nicht mehr gesprochen hatte.
Wir setzten uns in den Innenhof unserer Herberge. Hanna erzählte wie sie vor den Nazis in die
USA flüchtete. In den USA studierte sie Schauspielerei und Dramaturgie. Wir rezitierten uns
gegenseitig Gedichte. Sie schwärmte von Begegnungen mit Schauspielern die ich aus alten
Filmen auch kannte. Später dann holte sie ihren Plüschlöwen und das Kamel aus dem Zimmer.
Unsere Kommunikation begann nun theatralisch zu werden und wir übertrumpften uns in der
Gestaltung unserer Wortwahl und sprachen mit großem Pathos. Die Zeit machte uns und alles um
uns herum Zeitlos
Sie fragte mich – bist du eine Schauspielerin, nein sagte ich, ich bin vielleicht verrückt?!
Mir tat dieser Abend gut, alles Lachen das in dieser Woche verloren war habe ich durch Hanna
wiederbekommen. Am nächsten Morgen gab mir Hanna das Kamel mit auf den Heimweg nach
Deutschland. Einige Zeit haben wir uns geschrieben zum Beispiel “gibt es ein Leben Nach dem
Tod“, wir tauschten Gedichte aus. Eines Tages schrieb der „Löwe“ bitte komm, ich brauche das
„Kamel“. Irgendwann wurde unser Fädchen, vielleicht war es der Wind der Atem Gottes,
zertrennt.
                                                     Lebe wohl Hanna

Das Kamel sitzt bei mir zu Hause, jetzt fragt es „wo ist der Löwe“

 

Weltflucht

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
vielleicht – ist`s schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Fäden möchte ich um mich ziehn –
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!
                                             Else Lasker - Schüler

 

Zigarettenpause! Ines hält, steigt aus dem Wagen und ich rufe Yaron Abramov an. Ich wünsche
ihm auch Schana Tova und Masseltoff.
Yaron begleitete 2003 unsere Gruppe durch Israel und wirkte ebenfalls in dem Projekt
„Jugendaustausch Israel – Deutschland“ mit. Manchmal arbeitet er in Israel und manchmal in
Deutschland. Für diese Reise bat ich um seine Hilfe. Im August waren er und seine Begleiterin
bei mir zu Gast. Er brachte alle für mich wichtigen Buchungen und Informationen mit. So
brauchte ich mich nicht bemühen eine Unterkunft in Jerusalem zu suchen da ich nicht die
hebräische Sprache spreche und nur wenige englische Vokabeln weiß. Außerdem war es sehr
günstig ihn persönlich noch einmal nach Wegen zu Orten die Ines und ich unbedingt besuchen
wollten, zu befragen. Das wichtigste war jedoch einen zuverlässigen Service zu haben der mich
am letzten Tag in Israel begleitet. Mein Rückflugtag nach Berlin war der 03.10.2011, der Flug für
Ines nach Paris war einen Tag eher.
Für die Reise schenkte Yarons Freundin mir für Ines und mich einen Glücksschekel. Ich ließ
daraus Kettenanhänger anfertigen, so hatten wir das Glück meistens um den Hals.
Komisch, so denke ich, da rufe ich nun den Jerusalemer von Jerusalem nach Berlin an, wünsche
Gesundheit und Masseltoff.

 

Glück

An einem solchen Tag
kriecht die ganze Welt mir in mein Herz.
Mir will dann wohl mein Frack platzen.
So bläht das Glück mir das feine Tuch.
Fliege Seelchen!
Tränen sind jetzt Edelsteine.
Im Übermut sie meine Hand
in die Masse verschwendet.
Fliege Seelchen!
                                              I. – K. P. 05.09.2005

 

Ende – siehe Seite 30 – 29.09.2011

 

                                                                                             Erinnerungen, Israel 2006

Erzzählen möchte ich über Menschen die mir im Land begegnet sind und mich sehr beeindruckt
haben.

Ruben

Israel auch in anderer Farbe.
In Haifa war unsere Gruppe zu einem Vortrag geladen über Einwanderer nach Israel in der
Gegenwart.
Ruben, ein junger Äthiopier, berichtete über seinen Wunsch und seine Wanderung aus Äthiopien
in das Land seiner Väter. Als er den Wunsch in Israel zu leben verspürte war er Analphabet.
Religion und Tradition wurden meistens mündlich überliefert.
So machte er sich auf den Weg zu seinem Bruder nach Adis Abeba (Neue Blume).
Der Bruder half Ruben Unterkunft und Arbeit zu finden, dass er zu essen hatte und seinen
Schulunterricht finanzieren konnte. Immer in ihm, der Wusch in Israel zu leben.
Während eines Synagogenbesuchs traf er auf einen Mann der ihn ermunterte ihn nach New York
zu begleiten. Ruben nahm das Angebot an, lebte einige Zeit in New York, arbeitete auch dort für
seinen Unterhalt und seine Bildung.
Kurzerhand entschlossen buchte er eines Tages den Flug nach Israel. In der Zwischenzeit gelang
seiner Familie, zumeist durch Wüstenwanderung ebenfalls die Ankunft in Israel.
Im Jahre 2006 traf ich Ruben, fünfunddreißigjährig, in Haifa. Er ist Lehrer an einer Sprachschule
wo er seine ankommenden Landsleuten in den wichtigsten hebräischen Sprachkenntnissen
unterrichtet.
Ruben hat eine Familie gegründet und zwei Töchter.
Zum Abschied gab es einen Handkuss für mich, den ich so mag.
Alles Gute Ruben für die Gegenwart und die Zukunft. 

 

 Für Ruben

Schwer war meine Wanderung in das Land der Väter
Spärlich sichtbar vor mir die Farben des Regenbogens
Immer wieder ein Irrgarten, die Spur meines Weges
Und ich will doch so gern zu DIR, Jerusalem
Ein Kind bin ich aus dem Land deiner weitergesagten Worte
Angekommen nun bei DIR
Werde ich täglich mehr und mehr Weinstock mit dunkler Frucht
                                                                 I. – K.P. 29.09.2012 

 

Nabila
Nabila empfing uns in Nazareth, in ihrer Arbeitsstätte. Sie hat mit anderen Frauen geschafft ein
Frauenhaus aufzubauen. Nicht so wie wir es von Deutschland her kennen funktioniert diese
Einrichtung. Es können Frauen mit Problemen aller Art zu Gesprächen und mobiler
Problembewältigung kostenlos Hilfe in Anspruch nehmen.
Gleichzeitig ist das Frauenhaus Kindertagesstätte. Frauen können auch stundenweise ihre Kinder
dort in Obhut geben um für sich selbst oder für die Familie andere Termine erledigen zu können.
Nabila ist eine der wenigen arabischen Mitbürger Israels die ein Stipendium an der Universität
Haifa bekamen. Sie studierte Psychologie in Bonn und spricht ein hervorragendes, akzentfreies
Deutsch. Nabila ist eine sehr couragierte Christin in den „Mittfünfzigern“, sie sprüht vor Energie
und Lebensfreude.
…weiterhin Kraft und Mut sowie Glück, liebe Nabila.

 

Innen

Der Spurenleser der Nacht, der Mond,
hat sich aufgebäumt.
Er hat mir an die Enden seines Halbmondes
Seile geflochten.
Ziehe ich zur einen Seite hinab,
so bin ich im göttlichen Morgenland.
Will ich zur anderen Seite hinab,
empfängt mich das satte Abendland.
Ich träume,
Aufwind fügt beide Seile zu einem Einzigen.
Dieses Einzige,
ist Aufmerksamkeit füreinander,
ohne Hass, ohne Töten, ohne Besserwisserei.
Ich saß und träumte
bis die Morgenröte zu Nacht zerfiel.
                                                      I. – K. P. 09.06.2010

 

Sally

Roman holte mich zum einem Ausflug ans Meer, wir tranken Kaffee, aßen Fischsuppe und
philosophierten . Er machte mich sehend indem sein Blick auf das Meer in mein Ohr drang.
Kleine Segelboote saßen wie spitze Zuckerhütchen auf den blaugrünen Wellen.
Zwei, drei Treppenstufen darüber, in das grenzenlose himmelblau hatte sich die Sonne
einquartiert und beugte sich intensiv und neugierig zu uns um unsere Gespräche zu belauschen.
Roman fuhr mich zu meiner Unterkunft und bestellte ein Taxi das mich eine Stunde später zur
Synagoge bringen sollte. So hatte ich gut Zeit mich zu erfrischen. Im Taxi sitzend, so allein durch
Tel Aviv fahrend, mit der Anspannung, „wer wird mich empfangen“.
Mit dem Taxifahrer konnte ich nicht sprechen, er verstand kein englisch und so bot ich ihm alle
meine Wörter die mir auf hebräisch und arabisch einfielen dar, etwas verzögert lachten wir.
Endlich angekommen schickte ich den Taxifahrer ins Wochenende und stand eine Minute ohne
jemanden zu kennen vor der Synagoge. Da fragte mich eine Frau auf deutsch – kann ich helfen?
„O, du sprichst deutsch, ich wusste gar nicht das man mir das Deutsche ansieht obwohl ich noch
kein Wort gesprochen habe.
Aber ich brauche wirklich Hilfe. „Ich habe mich hier mit meiner Reisegruppe zum Gottesdienst
verabredet, wenn keiner kommt weiß ich nicht wie ich zurück in meine Herberge gelangen
werde. Dann bleibe ich bei dir“.
„Kannst du machen, ich bin Sally“, bekam ich zur Antwort.
In der Synagoge war Sally so lange an meiner Seite bis meine Gruppe eintraf.
Sally kommt aus den USA und lebt seid einiger Zeit in Israel. Sie hat Germanistik studiert. Ich
war erleichtert das ihr Herz auch ein bisschen „deutsch“ schlug.
Wieder einmal siegte meine Faulheit, jedenfalls was das Erlernen von Fremdsprachen betrifft und
wir konnten ungezwungen miteinander plaudern.
„Ines, ich muss dich jetzt verlassen denn ich bin verantwortlich für die Musik und spiele ein
Instrument. Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin bei dir bis deine Gruppe auftaucht“.
Da ich sehr neugierig bin fragte ich welches Instrument Sally spielt. Verlegen druckste sie ein
wenig herum und antwortete dann - Waldhorn.
Ausgerechnet Waldhorn und die Stille wurde durch unser Gelächter unterbrochen.
Nach dem Gottesdienst kam Sally mich zu verabschieden, so konnte ich sie nun auch meiner
Gruppe vorstellen. Wir umarmten uns herzlich.
Zu meiner Überraschung holte mich Uri ab und ich feierte mit ihm in seiner Familie Schabbat.
Später dann, als mich Uri zurückbrachte genoss ich mit den Menschen meiner Gruppe ein Glas
Wein und erzählte ihnen noch einmal von der wundersamen Begegnung mit Sally.
Danke, Sally, ohne zögern waren für mich da Wärme und Sicherheit – für dich Gesundheit und
Liebe, bleib so wie du bist.

 

Erkenntnis fällt dem zu, meine Freundin, mein Freund,
der ausprobiert, all die Zwischenräume seines Lebens,
der lauscht dem Klang der Sprache.
                                                      I. –K. P. 2002



Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 1, Absatz 1

Die Würde des Menschen ist unantastbar
Ist die Würde des Menschen unantastbar?
Die Würde des Menschen s o l l t e unantastbar sein…


„ Auch gruben die Knechte Jizhaks im Tal und fanden daselbst einen Brunnen lebendigen

Wassers. Da stritten die Hirten von Gerzar mit den Hirten Jizhasks und sprachen:
> Uns gehört das Wasser.!< Da nannte er diesen Brunnen Esek (Zank), weil sie mit ihm gezankt
hatten. Dann gruben sie einen anderen Brunnen; aber auch um den stritten sie. Da nannte er ihn
Sitna (Feindschaft). Hernach zog er von dort hinweg und grub einen anderen Brunnen. Um den
stritten sie nicht; da nannte er ihn Rehobot. Er sprach nämlich: >Nun hat der Ewige uns Raum
verschafft (hirhib) das wir gedeihen im Land. <“
                             Die heilige Schrift : 1. Moses 26, 19 – 22 in der Übersetzung Naftali Herz Tur – Sinai

                                                                        11
                                                                             29:09:2011, erster Tag des neuen Jahres
Nach dem Frühstück sind Ines und ich in die Herbergssynagoge zum Gottesdienst gegangen.
Dann haben wir uns auf den Weg zu Dafna und Yossi in den größten Stadtteil Jerusalems, der
circa 60000 Einwohner hat, gemacht. Jerusalem selbst hat in etwa 700000 Einwohner.
Bevor wir gegen zehn Uhr den Klingelknopf betätigten ertönte das Widderhorn, das Schofa. Wir
waren begeistert und fühlten uns in eine Zeit versetzt die mehr als zweitausend Jahre zurückliegt.
Der herzliche Empfang von Dafna und Yossi, der mir von Ilse prophezeit wurde fand für Ines und
mich zweihundert % - tig statt. Schon bei einem Telefonat zwischen Dafna und mir hatte ich das
Gefühl, wir kennen uns schon immer und können uns alles anvertrauen.
Dafna und Yossi sind in unserem Alter und wir vier fanden genügend Themen um den Tag
auszufüllen. Yossi ist Lehrer an der Universität Jerusalem und bildet Studenten aus. Er ist
Musikbegeistert und hat ein sehr großes Musikarchiv. Spricht man einen Musikwunsch aus,
schon eine halbe Minute später ist dieser Wunsch erfüllt.
Ines und Yossi unterhielten sich in englisch während Dafna und ich deutsch wählten. Dafna ist
aus Deutschland und war dort als Erzieherin tätig. Sehr lange überlegend und bewusst entschied
sie sich in Israel zu leben. Heute arbeitet sie bei einer Organisation die versucht soziale
Ungerechtigkeiten auszugleichen. Es gibt wenig Urlaub und auch müssen Dafna und Yossi gut
Haushalten um einen angenehmen Lebensstandart aufrecht erhalten zu können. Die kleine,
gemütliche Zweizimmerwohnung mit Balkon erinnerte mich an unsere Neubauwohnung zu
Hause, als ich ein kleines siebenjähriges Mädchen war. Dieser Eindruck verstärkte sich als Dafna
und Yossi den großen Küchentisch für das Mittagessen ins Wohnzimmer trugen. Wunderbar
dekorierte Dafna den Tisch und Ines und ich waren beinahe beschämt, dass die Beiden uns so
verwöhnten. Kühle fruchthaltige Getränke sowie wohlschmeckende Speisen wurden gereicht.
Besonders wohlschmeckend für mich, Humus (Kichererbsenbrei) dazu Oliven, Geflügel und so
weiter. Mit dem Humustopf hätte ich mich am liebsten auf dem Balkon in einer Ecke eingenistet
und ihn allein leergegessen.
Jetzt ein Schläfchen unter Palmen in einer Hängematte, dabei den Bauch wohlig herausgestreckt.
Nein, es geht weiter, Kaffee und Torte folgen - ihr lieben Gastgeber, wir können nicht mehr, wir
platzen! Dafna bemerkt unsere Schläfrigkeit und wir machen mit ihr gemeinsam einen
Spaziergang durch das Wohnviertel. Trotz der Nähe zu den autonomen Palästinensergebieten
überkommt mich erneut eine angenehme Nostalgiewelle. – „Gleich kommt meine Oma um die
Ecke, nimmt mich an die Hand und verspricht, das ich am Wochenende bei ihr schlafen darf.“
Spät ist es geworden als wir zurückkamen, der Ruf des Widderhorns, unser Begleiter auf unserem
Spaziergang.
Toda Raba – liebe Dafna und Yossi, Gesundheit und Masseltov von ganzem Herzen für Euch –
ein Tag, den wir mit in unsere Ewigkeit nehmen

 

Nachtgedanken (Weimar)

Wenn ich deine Katze wär,
so würde ich immer schnurren.
Wenn ich deine Wiese wär,
so würde ich auch im Winter blühen.
Wenn ich gehe,
so wäre ich gern deine Erinnerung.
Wenn ich wiederkomme,
so wäre ich gern deine Freude.
                                                 I. – K. P. 03.01.1999

 

Bild

               Bild 

                          Bild 

     Stadtteil von Yoossi und Dafna

 

                                                                      12
                                                                              30.09.2011 fünfter Tag Jerusalem
Ein lustiges Frühstück mit finnischen Gästen unserer Herberge öffnete dem Tag den Weg. Ines
pflegte mit ihrem Gegenüber ein angenehmes Tischgespräch in englischer Sprache.
Ich versicherte meiner Tischnachbarin das mein Englisch sehr mangelhaft sei worauf sie mir
versichert (in Englisch natürlich) das sie weder Englisch versteht noch spricht. Die erste
Lachsalve war somit abgeschossen. So sprachen wir beide mit den Händen was zur Folge hatte,
da wir uns nun ständig anfassten und dabei kicherten, dass wir das Essen vergaßen.
Ines und der Ehemann meiner Tischnachbarin gaben in deutsch – finnisch – englisch für uns
Kommentare zu Jerusalem ab. Dem ganzen Durcheinander konnte ich entnehmen, das die beiden
Finnen den botanischen Garten wie wir besuchen wollten.
Unser Ziel, der botanische Garten befand sich in der Nähe unserer Herberge Jizrak Rabin. Dort
angekommen wurden wir auch schon verfolgt von einem jungen Mann. Salman, ein Angestellter
des Gartens, hatte meine Blindheit bemerkt und bot sich als Begleitung an, so konnte Ines auch
ein wenig entspannen.
Vorsichtig zupfte Salman für uns die feinsten Kräuter ab, ließ uns ihre Namen nach ihrem Duft
erraten. Da waren: Curry, Lavendel, da waren Melisse, Zitronenmelisse, Zitronengras, Pfeffer
und Jasmin. All dies sammelten wir in unseren Taschen und ein „Kunterbunt“ davon duftet heute
noch in einem kleinen Gläschen in meinem Küchenschrank. Die Atmosphäre des Gartens war für
uns sehr entspannend und lange ruhten wir uns auf einer Bank aus. Salman war sehr fürsorglich
und machte sich auf den Weg um Tee für uns zu holen.
Schukran Yasilan, Salman, Frieden und Glück auf deinen Weg.

 

Die zweite Sekunde

Ein matter Stern bin ich
und doch leuchte ich gold
betrachtest mich kaum
beachtest mich kaum
in der zweiten Sekunde nun
findest du einen Weg zu mir
                                                 I. – K.P. 25.07.2010

 

Zum frühen Abend sind wir in die Jerusalemer Altstadt gefahren. Vorwiegend hielten wir uns im
christlichen Viertel auf. Ab siebzehn Uhr sitzend, bei Granatapfelsaft, Fladenbrot, Falafel und
Humus, konnten wir den in der Nähe des Austria – Hospits stattfindenden Prozessionszug der
Franziskanermönche zur Grabeskirche miterleben.
Die köstlichen Speisen, die wohlige Wärme die uns umfing, der Gesang der Mönche und das
ununterbrochene Menschengewimmel gaben der Stunde einen besonderen Reiz. Ines konnte
sogar vordringen bis zum heiligsten Punkt, Colgata, und kam beseelt zurück während ich meine
Seele auf einer Bank hielt. Dann schlenderten wir laut schwatzend durch die Gässchen, kauften
Wein, Humus in kleinen Schälchen für zu Hause und noch so manches Souvenir.
In einem Kaffeestübchen, bei Gebäck und Kaffee nahmen wir Abschied vom alten Jerusalem.
Spät in der Nacht erinnerten wir uns auf der Terrasse des „Rabin“ bei Zigarette und Uris
Selbstgebranntem an diesen schönen Tag.

 

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Altstadt Jerusalem

 

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                                                                         13
Eine Postkarte, ein kleines Mädchen, – 1972 bekam mein Vater diese Karte von einem seiner
Briefmarkenfreunde geschickt. Mein Vater ist Briefmarkensammler und hatte, trotzdem wir in der
DDR lebten, Briefmarkenfreunde in aller Welt zum Beispiel in Peru, Israel, Südwestafrika,
Griechenland, Spanien, Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Dänemark und so weiter. Ab und zu
kamen auch Postkarten aus diesen Ländern zu uns nach Hause. Die Karten verschwanden dann in
einem Karton, der sich in seinem Schrank befand wo auch die vielen mit Briefmarken gefüllten
Alben lagen. Oftmals, wenn ich aus der Schule kam spielte ich mit mir selbst
„Briefmarkenverkauf“. Ob mein Vater merkte das die Marken trotz meiner Vorsicht nicht immer
ordentlich und sortiert nach dem Spiel im Album waren, weiß ich nicht.
Vielleicht erinnert er sich jetzt beim Lesen dieser Zeilen und weiß nun wer die damalige
Unordnung angerichtet hat.
Natürlich bestaunte ich jedes Mal die vielen bunten Ansichtskarten. Jene dort presste ich an mein
Herz, da wollte ich hin, unbedingt und ich legte die Karte nicht mehr in den Karton zurück. Sie
ist bis Heute mein Besitz und auch der Diebstahl ist inzwischen verziehen.
Danke, dem Fotografen für dieses Bild. Fast 30 Jahre hat es gedauert bis meine erste Reise 2001
nach Israel stattfand.
Ich, seid 1997 in das schwarze Licht getaucht, konnte das Land nicht mehr sehend erkunden.

 

der Augenblick den du hast ist Glück
der deiner Fantasie die Kraft zum Leben gibt
                                                              I– K. P.

 

Das kleine Mädchen ist schon lange eine Großmutter, geblieben ist noch immer die große
Reiselust in und durch die Welt.
Bedanken möchte ich mich bei allen Menschen die den Blick meiner schwarz gewordenen
Pupille in ein wunderbar buntes Chaos verwandelt haben.

 

                                                          DANKE

Erste Israelreise März 2001 Pfarrer Martin Haupt, Fürstenwalde
                                             Eva – Maria Thilo
                                           (+ 02.11.2011 im 56. Lebensjahr in Folge eines Krebsleiden,
                                           sie war Begleiterin und ist Freundin)
                                             Uri Schacham – Reiseleiter
                                             Roman Frister
Zweite Israelreise Juni 2003 Pfarrer Rudi – Karl Pahnke
                                              Yaron Abramov
                                              Michael K.
Dritte Israelreise Nov 2006 Pfarrer Rudi – Karl Pahnke
                                             Yigal - Busfahrer
                                             Prof. Dr. Karin Weiß
                                             Matthias
                                             Sylvia Gössel
                                             Helga
                                             Ruben
                                             Roman Frister
                                             Uri Schacham
Vierte Israelreise Dez.2008 Ralf Pape - freundschaftliche Begleitung
                                             Ruth Eisenstein – Reiseleiterin
                                             Bajar – Busfahrer
                                             Roman Frister
                                             Mordechai Virschupski – (Ehrenamtlicher
                                           Behindertenbeauftragter der Stadt Tel Aviv)
                                             Ruth B. für den Besuch bei Izrak
Fünfte Israelreise Sept. 2011 Elsa Rudolph Kassel – für den Weg zu ↓↓
                                               Ilse und Werner – Kassel und Hamburg – für den Weg zu ↓↓
                                               Ines Hanusch - Paris, und Hanna und Juda – Karkom

                                          Christine Lüttschwager – Alt Golm – (Danke, liebe Christine,
                                          für die Freundschaft und für meine Leichtigkeit weil ich nicht sparen brauchte.)
                                             Yaron Abramov - (für jeglichen Service in Israel und in Deutschland)
                                          Uri Schacham – (Für die Freundschaft, für die Begleitung in
                                          Safed und Jerusalem)
                                             Dinah L. – (für die sichere Begleitung zum Flughafen David -
                                             Ben – Gorion,)
                                          Ines Hanusch – (für Gastfreundschaft in Paris, für die manchmal
                                          anstrengende und angenehme Begleitung in Israel und für die
                                          Fotografie)
                                              Danke, Ralf Pape – (für die Geduld bei der Schreibarbeit und der
                                              Vervielfältigung der CDs)

 

                                  Lesevorschläge:

1. Die Bibel
2. Das neue Testament
3. Lion Feuchtwanger        - Josephus – Trilogie – Der jüdische Krieg, Die Söhne,
                                             Der Tag wird kommen
4. Else Lasker – Schüler   - Hebräerland
                                            Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag
                                            …Gott schuf nur Paradies,das sich verfinsterte am
                                            Nachlassen der Liebe. Seite 95
5. Roman Frister               - Die Mütze oder der Preis des Lebens
                                            Siedler Verlag bei Bertelsmann
6. Roman Frister               - Ascher Levi oder Sehnsucht nach Deutschland
                                            Siedler Verlag bei Bertelsmann
7. Martin Wagner              - Gebrauchsanweisung für Israel
8. Eran Katz                      - Der großartige, ultimative Nahost – Friedensplan
                                            Eichborn Verlag
9. CD                                - Israel hören
                                            Silberfuchs Verlag, - Hören und Wissen

 

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   Jerusalem Botanischer Garten

 

                                                               14
                                                                               01.10.2011 Schabbat Schalom
Heute fahren wir mit dem Auto nach Masada. Eine mächtige Festung, 400 Meter über dem
Meeresspiegel in der Nähe des toten Meeres gelegen. Einstmals Herodes Palast der durch kluge
Architektur und den damaligen technischen Fortschritt eine große Perfektion erlangt hat (36 – 30
vor null Ausbau zur Festungsanlage). In das Badehaus zum Beispiel wurde das Wasser durch
einige metertiefe, in den Felsen gehauene Zisternen, geleitet. Teils wurde Regenwasser genutzt,
teils wurde Wasser mühsam aus umliegenden Brunnen durch Sklaven herauftransportiert.
Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 nach null war dieser Ort drei Jahre lang
Zufluchtsstätte für 1000 aufständische Juden die dann den Freitod wählten um nicht ihre Freiheit
zu verlieren und somit der römischen Unterjochung trotzten. Dem gegenüber stand ein Heer von
15000 Mann römischer Soldaten.
Viele Jahre lang war Masada der Ort an dem die jungen Soldatinnen und Soldaten für die
israelischen Armee vereidigt wurden. Bevor junge Menschen in Israel, ob weiblich, ob männlich
einen Beruf erlernen oder studieren können müssen sie den Armeedienst absolvieren. Es gibt
hierbei einige wenige Sonderregelungen, zum Beispiel eine frühe Mutterschaft, die eine
Dienstfreistellung erlauben.

 

                             EWIGER

                             Unter DEINEM Dach
                             gibt es so viele Zelte in denen man wohnen kann
                             so viele Menschen die man lieben kann
                             so viele Kriege die man führt

                             die Gewissheit das man stirbt.
                                                                    I. – K. P. 01.07.2008
                                         Bild

 

                                                                                        Weltende

                                                                                        Es ist ein Weinen in der Welt,
                                                                                        Als ob der liebe Gott gestorben wär,
                                                                                        Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
                                                                                        Lastet grabesschwer.

                                                                                        Komm, wir wollen uns näher verbergen….
                                                                                        Das Leben liegt in aller Herzen
                                                                                        Wie in Särgen.

                                                                                        Du! wir wollen uns tief küssen -
                                                                                        Es pocht eine Sehnsucht an die Welt;
                                                                                        An der wir sterben müssen.
                                                            Else Lasker – Schüler

 

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   Synagoge von Masada

 

Zu Herodes Zeit Tierstallungen. Nun Synagoge von Masada. Dies ist das letzte Foto (513)
unserer Reise. Genau an diesem Ort war die Speicherkapazität des Fotoapparates ausgeschöpft.
Folgendes Gedicht haben wir in dieser Synagoge gelesen.

 

Nimm einen jeden, wie er ist, es hat jeder seine Mängel,
und selbst der Beste,
denn wir sind nun einmal Menschen und nicht Engel.
                                                              Cäsar Otto Hugo Flaischlen

 

 

die Flamme meiner Tränen lodert noch
und der Wind mit seinem Atem
trägt Träne um Träne empor zum Himmel
fallen in deinen Schoß in Wärme und Kühle
und noch im Weiterziehen brennen sie dir auf der Haut
                                                              I. – K. P. 10.07.2002

 

Von diesem ereignisreichen Ort fuhren wir, schweigend im Auto sitzend, zum baden ans Tote
Meer. Bei meinen zurückliegenden Reisen konnte ich diesen Badespaß noch nicht verwirklichen.
Die Zeit in den Reisegruppen war dafür zu kurz denn blinde Menschen benötigen für einige
Tätigkeiten die dreifache Zeit.
Vorsichtig zog mich Ines Schritt für Schritt in das Wasser, denn der Untergrund war sehr steinig
und rutschig. Uns beiden war ein bisschen mulmig zumute, keine von uns wollte von dem
wohligen Nass einen Spritzer ins Gesicht bekommen. In vielen medizinischen Bereichen hat das
Baden im Toten Meer eine positiv beeinflussende Wirkung, wie zum Beispiel bei Neurodermitis,
Gelenkerkrankungen oder Kreislauferkrankungen. Etwa 400 Meter unter dem Meeresspiegel
befindet sich das stark salzhaltige Gewässer. Dort ist der sauerstoffreichste Punkt der Erde.
Kaum zu glauben, wir liegen unbeweglich schwimmend auf dem Rücken, noch ein wenig
verkrampft, doch allmählich entspannen wir – und man könnte wirklich dabei „Zeitung lesen“!
Dieses Badeerlebnis hat die Balance zur Wirklichkeit wieder hergestellt.
Im „Rabin“ machen wir uns dann für das Abendessen im „Hillel“ flott. Einen riesengroßen
Hunger haben wir. Heute bestellen wir als Vorspeise Pilze, zum Hauptgericht Bandnudeln,
Hühnerfleisch in verschiedenen Gewürzen, eine süße Nachspeise. Zur Erfrischung trinken wir ein
eishaltiges Milchmixgetränk mit Pfefferminzgeschmack.
Schade das unsere Lieblingsbedienung, die wir am Anfang der Woche kennen lernten nicht da ist.
Sie hatte so von Deutschland geschwärmt, sodass wir unser letztes Geschenk, eine CD der
Rockgruppe „Fahrenheit 212“ leider nur ihrem Kollegen geben konnten jedoch mit der Bitte die
CD und unsere Grüße und Wünsche an sie weiterzuleiten. Ich bin nun schon beim dritten
„Kosmopolitischen Drink“, nach wie vor zu Empfehlen. Da ich ungerade Zahlen liebe nehme
noch zwei Drinks zu mir und wir gehen. Nun drehe ich mich um die Erde!
Zurück in der Herberge packen wir, dabei immer wieder mal ein Schnäpschen „Medizin“ aus
dem Hause „Uri Schacham“ zu uns nehmend. Kichernd verlassen wir unser Zimmer, Ines,
Zigarette und Rotwein mitnehmend, gehen wir auf die Terrasse. Eine letzte gemütliche Nacht
zusammen in Jerusalem. Ines holte nun mit Hilfe des Rotweins die Erdumdrehung nach die ich
schon im „Hillel“ vollzogen hatte, schließlich wollten wir auf der gleichen Zielgeraden den
Heimweg antreten. Das Gute an der Sache war auch noch, das die Sommerzeit zu Ende war und
wir eine Stunde Zeit geschenkt bekamen, die all unsere Verwirrtheit entweder noch mehr
verknäuelte oder zu einem einzigen langweiligen Faden ausrollte.

Leila toff Ines und Ines

 

Bild

   das Tote Meer

Bild

 

Bild

   Weg nach Masada

 

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   Blick von Masada in Richtung Totes Meer

 

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   Jerusalem Via Dolorosa 

 

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                                                                             02.10.2011 letzter Tag Jerusalem
Zu Besuch bei Barbara und Ludwig Schneider
Bevor es Abschiednehmen hieß hatten Ines und ich noch eine Einladung in die Redaktion der
Zeitung „Israel Heute“.
Ludwig Schneider, aus Deutschland stammend, floh als Kind mit seinen Eltern nach dem zweiten
Weltkrieg von Magdeburg in eines der heutigen Altbundesländer. Seine Eltern besaßen einige
Immobilien und hatten große Angst diese zu verlieren und die neu gewonnene Sicherheit nicht
mehr verfolgt zu werden durch die neuen Machthaber einzubüßen. Wenige Jahre später lernte er
seine Frau Barbara kennen. Beide stellten fest, das ihre Zukunft Israel heißt. Die beiden
gründeten in Israel neben ihrer Familie (heute fünf Kinder und zahlreiche Enkelkinder) auch die
Zeitschrift „Israel Heute“. In einer kleinen Wohnung haben sie mit ihrer Arbeit begonnen. Im
Jahre 2011 gibt es in einem Hochhaus in Jerusalem zwei Geschäftsetagen für die Zeitschrift die in
deutsch erscheint mit dazugehöriger Telefonverbindung – Menschen aus aller Welt können dort
anrufen und sich über Israel informieren. Ab und zu führen beide in Deutschland und Israel
Seminare, die sich mit Religion befassen, durch.

 

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   Jerusalem

 

Freundlich empfing uns Barbara. Ines und ich berichteten ihr von den Erlebnissen unserer Reise.
Interessiert und neugierig lauschte uns Barbara. Wir erzählten ihr Biografisches von uns und das
wir Ilse diese Verabredung zu verdanken haben. Barbara erzählte uns das sie am Vortag aus der
Wüste zurückkehrte. Dort leitete sie (fast siebzigjährig) ein christliches Seminar mit über hundert
Teilnehmern.
Viel zu schnell verging die Zeit und wir verabschiedeten uns freundlich.
Doch welch ein Wunder, ich bekam von Barbara ein Geschenk – es war ein Granatapfel aus
Keramik mit dem wunderbaren Logo bestehend aus Minora, - siebenarmiger Leuchter, seid dem
zweiten Tempel ist die Minora das wesentliche Zeichen des jüdischen Volkes (die Minora ist auch
auf dem Titusbogen in Rom abgebildet – Titus, röm. Kaiser - Zerstörer im Jahre siebzig nach null
des Tempels in Jerusalem), Stern und Fisch, ebensolcher Apfel, den ich aus Wut im Museum
einige Tage zuvor nicht kaufte. Ich habe mich sehr gefreut das nun diese schöne Keramik in
meinem Gepäck mitreist. Ines lachte und im Gehen erzählte ich Barbara die Episode aus Kapitel 10.
Der Apfel steht nun bei mir zu Hause auf der Anrichte neben dem Chanukkaleuchter.
Herzlichen Dank Barbara, weiterhin Erfolg für die Arbeit sowie Gesundheit und Liebe für die
Familie.

 

Kalenderblätter

Wenn der August seine Tür öffnet,
riechen die Tage schon nach September.
Desgleichen überzieht mich ein Hauch dieser Stimmung
in den kühler werdenden Nachtstunden.
Ich stehe auf der Schwelle der Vergänglichkeit.
Leichtfüßig fliehen der pulsierende Frühling
und der schwärmerische Sommer,
suchen Herberge
in den stürmischen Farben des Herbstes.
Eine Entscheidung zwischen Einsamkeit
oder Zweisamkeit?
Später dann, in den kalten Stunden mit Kerzenschein,
lächelnd werde ich Erinnerung trinken.
Schattenspiele oder wirklich du?
Klopf an!
Bleib ich bei mir,
finde Ruhe in Gott.
                                                    I. –K. P. 05.08.2005

 

Im „Rabin“ wartete schon Dinah L. auf uns, sie ist verantwortlich für Menschen die in Israel
Freiwilligendienst leisten wollen. Jetzt wurde es wirklich ernst, Ines und ich mussten uns trennen.
Kurz besprachen wir mit Dinah wann sie mich morgen Früh abholt um mich zum Flughafen zu
begleiten. Ein Weilchen später umarmten Ines und ich uns, Tränen kullerten und ein Gefühl der
Verlassenheit und auch Anspannung nisteten sich in uns ein. Dann war Ines fort. Sie musste das
Auto am Flughafen noch abgeben und ich hoffte sehr das alles gut gelingt, das ihr Flug nach Paris
pünktlich startet und sie wohlbehalten dort ankommt. Leider stellte sich heraus das der Flug erst
fünf Stunden später als geplant stattfand, doch nahm ihr Mann sie am nächsten Morgen in Paris
wieder in seine Arme.
Danke liebe Ines Hanusch.

 

Nicht träumen sollt ihr euer Leben,
erleben sollt ihr was ihr träumt!
                                                      Rouquette

 

14.00 Uhr, Jerusalem, in zwölf Stunden kommt Dinah und wird mich zum Flughafen bringen. Im
Zimmer mache ich es mir gemütlich, koche einen Kaffee, esse Kuchen und durch das offene
Fenster dringt von weitem Jerusalems Geräuschkulisse zu mir.
20.00 Uhr, in circa einer Stunde wird Ines nach Hause fliegen. In den nächsten drei Stunden
überlege ich, während ich Ines in Gedanken an Ines Seite bin, sollte ich schon mal vom Humus
kosten? An den Fingern zähle ich ab und bin froh das ich eine Schale mit Humus öffnen kann.
Dabei denke ich an die vergangenen zwei Wochen zurück, wie schnelllebig alles Schöne
vorübergeht. Viele Jahre war diese Reise, so individuell Israel in meiner Zeit zu besuchen, ein
Wunsch, begleitet von Anspannungen entsprechende Menschen zu finden die Interesse an Israel
haben und auch behinderten Menschen mit Respekt begegnen.
Und nun sind diese zwei Wochen plötzlich Vergangenheit. Unruhig schlafe ich, werde wach,
kleide mich an, trinke noch einen Kaffee, lausche in die Jerusalemer Nacht und alle Geräusche
werden zu Sehnsucht, in etwas Unbekanntes, nicht Fassbares.
Es ist zwei Uhr, der 03.10.2011, Tag der deutschen Wiedervereinigung. Schamlos gähnt mich die
Zeit an, „steh auf, gleich kommt Dinah“.
„Kannst du mich nicht noch ein wenig träumen lassen, du weißt, ich will eigentlich nicht weg“.
„Wo willst du denn hier leben so allein und ohne dich um Sprachkenntnisse bemüht zu haben?
Was willst du machen, dich nur ausruhen?“ fragte lächelnd die Zeit.
Es klopft, Dinah ist da. Resolut nimmt sie mir meinen Koffer, der beinahe so groß ist wie sie
selbst, aus der Hand, hakt mich unter und wir verlassen die Herberge.
Unterwegs ärgert mich die Zeit. „lass mich doch endlich in Ruhe, gönn mir mal `ne Atempause!“
erwidere ich und hoffe das ich nicht laut gesprochen habe und Dinah nichts bemerkt hat.
„`Ne Atempause willst du, weißt du was du dir da gewünscht hast? Ohne Atem bist du tot. Ich
habe dir hier in Israel eine Stunde geschenkt und in Deutschland bekommst du noch eine Stunde
dazu und du jammerst, willst in diesem Land bleiben und willst eine Atempause, denk nach!“
„Lass mich jetzt in Ruhe!“ zische ich zurück.
Draußen, vor der Herberge, lernen Dinah und ich uns noch ein wenig kennen während wir auf das
Sammeltaxi warten. Das Taxi kommt, wir steigen ein, es ist warm und ich kuschle mich in
meinen Sitz. Die anderen Fahrgäste scheinen ebenso durchnächtigt wie ich. Der Wagen rollt und
ich verlasse die Stadt.
Verschlafen hebt die Morgenröte die Augenlider als wir am Flughafen „David Ben Gurion“ in der
Nähe von Tel Aviv aus dem Auto steigen. Ich will noch ein Trinkgeld geben, das mir Dinah aus
der Hand reißt, zurück in meine Jackentasche steckt und sagt, das ich wieder nach Israel kommen
soll und ich das Geld für die nächste Reise sparen soll.
„Na siehst du, wir beide warten auf den Flieger nach Deutschland und du kannst unterdessen an
einer neuen Reise nach Israel basteln. Ich verlasse dich nicht, ich verlasse dich erst dann wenn
deine Atempause da ist, aber bis dahin hast du noch genügend Zeit“. meinte liebevoll meine Zeit.
Dinah flog mit mir beinahe durch sämtliche Kontrollen.

Vielen Dank Dinah für die Geborgenheit, Gesundheit und Frieden für dich und deine Familie

 

Begegnung ist Erinnerung
Was bleibt bewegt die Zeit
                                            I. – K. P. 25.11.2007

 

Leon, ein junger Mann vom Servicepersonal, brachte mich nun in den Wartebereich. Wärmend
bedeckte die Morgenröte mein Gesicht und glättete meine Verschlafenheit.
In meiner Phantasie wurden die Flugzeuge zu Zugvögeln.

 

Morgenröte

Im Feuer der Morgenröte stehend
dem Flug der Vögel seufzend nachspähen
plötzlich
ich habe die Schwingen der Phantasie übergestreift
und fliege im Blau der Welt
in die Hand gepresst
das welkende Blatt vom Baum des Lebens
trotzdem malt die Sonne
meine Hautblässe bronzefarben
ich küsse dir rote Herzen auf die Stirn
falle mit dir in die Unschuld der Wolken
später dann
trägt mich sicher der Boden der Erde
ich küsse dir rote Herzen auf die Stirn
                                                I. – K. P. 02.04.2006

 

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Fünfzehn Minuten vor dem Abflug sitze ich noch immer in der Wartehalle, ich bin sehr unruhig
und lausche in alle Richtungen. Nein, es wurde keine Verspätung für den Flug nach Berlin
durchgesagt. Neben mir ein Herr, den ich auf englisch befrage, antwortet auf jiddisch. Ich
verstehe nur einen Bruchteil von dem was er sagt und wir lachen, weil wir nicht zueinander
kommen. Abrupt erhebt er sich, verabschiedet sich brummend und ist verschwunden.
Ich höre deutsche Worte, bin erleichtert. Neben mir eine alte Frau, neunzig Jahre ist sie, erzählt
sie mir. Ja, sie fliegt nach Berlin. Drei Wochen Urlaub bei der Tochter die in Israel lebt hat sie
gemacht. Margit, die Tochter und deren Freundin Sigi, kommen zu uns. Wir stellen uns
gegenseitig vor. Margit lacht, mit ihrer Bassstimme sagt sie zu mir „Ines, das ist Ironie des
Schicksals. „Ausgerechnet die zweistündige Verspätung des Fluges nach Berlin ist nur visuell
angezeigt. Wir bleiben jetzt zusammen bis wir in Berlin gelandet sind“.
Margit versorgte mich mit Kaffee, führte mich zur Toilette und alles Warten verschwand in
unseren Gesprächen.
Dreißig Kilometer entfernt von Karkom lebt Margit. Sie war Lehrerin und malt jetzt. Vor circa
fünfzig Jahren, auf einer Studienreise, hat sie sich in einen Israeli verliebt, sie haben geheiratet,
vier Kinder miteinander, leider ist ihr Mann früh verstorben doch sie ist im Land geblieben.
Margit bringt ihre Mutter nach Hause und dieses mal ist ihre Freundin Sigi dabei, der sie
Deutschland zeigen will.
Sie fragt mich ob ich einen Apfel essen möchte. Dankend nehme ich den Apfel und stecke ihn in
meine Tasche. „Morgen, zum Frühstück, werde ich ihn als liebevolle Erinnerung an diese
Begegnung und diese Reise essen“ sage ich ihr.
Zuhause!
Mein Bruder hat mich in Berlin abgeholt. Es ist sechzehn Uhr, die Familie sitzt um den
Küchentisch meiner Eltern, es gibt Kaffee und Kuchen. Ich plaudere ununterbrochen von all den
netten Begegnungen, vom Meer, vom Granatapfelsaft, den Humus verschweige ich, und verteile
meine mitgebrachten Geschenke.

 

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   Wüstenalltag

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   Baja und ich

 


 

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                                                                                04.10.2011 Fürstenwalde / Spree
Borgatoff – nein, nun heißt es ja wieder Guten Morgen!
Schnurrend weckt mich mein Kater und klagt über die Vernachlässigung ihn gegenüber und
verlangt die doppelte Ration an Streicheleinheiten.
Kaffee, Brötchen und der Apfel aus Israel.
Die biblische Frucht aus dem heiligen Land, vielleicht der Apfel?
Alles dreht sich, hier oder dort oder irgendwo – was ist das Paradies?

Danke ihr Lieben und Glück für euch, hoffentlich gefällt es dir in Deutschland, Sigi

Am Abend rufe ich Yaron in Berlin an um mich zurück zu melden und mich noch einmal herzlich
zu bedanken für seine Hilfe. Nächste Woche wird seine Arbeit in Deutschland zu Ende gehen. Er
fliegt nach Hause, nach Israel. Danke für die unsichtbare Begleitung während der Reise. Er
wusste schon durch Dinah von meiner Rückkehr.
Es ist spät, erste Gänse ziehen, viel zu früh in diesem Jahr.
Willkommen und Abschied, sind sie die Boten der Zeit!

 

                            Die Gänse

Die Gänse, Mutter sie fliegen wieder, es ist Herbst.
Mit Sehnsucht im Blick und heißem Herz
lauf ich in den Garten.
Komm runter du Ganter hol mich, nimm mich mit.
Ich steig auf, es geht los,
wir fliegen immer höher und höher in die Nacht,
mir wird schwindlig vor Glück.
Die rauen Händchen vergraben im warmen Gefieder.
Die dünnen Zöpfchen flattern im tosenden Wind.
Die Äuglein leuchten vor Erstaunen,
das Gesichtchen so rosig, so glühend.
Der ganze Körper angespannt vor Erwartung.
Tausend Sterne um mich herum,
welcher ist wohl meiner?

Ach, ist alles lange her.
Ist wieder Herbst geworden,
komm runter, Herr Ganter.
Kommst du diesmal wohl noch?
Tatsächlich, ich steig auf,
wir fliegen durch die Nacht,
eisiger Wind tobt, bringt neue Frische.
Die rauen Hände wie einst
vergraben im warmen Gefieder.
Die Zöpfe sind längst ab.
Die Augen weit aufgerissen – Suchend.
Mein Gesicht nun getaucht
in die Jahresringe der Zeit.
Der ganze Körper neu angespannt.
Und um mich herum immer noch tausend Sterne.
                           JA.
                                                                 I. –K. P. September 2001

 

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   Granatapfelbaum

 

Mit dem Begleitspieler, von David ein Psalm

>Du hast mich, Ewiger, erforscht, du weißt / du kennst mein Sitzen und mein Stehn / du achtest fernher
auf mein Denken. / Mein Gehen und Liegen hast du ausgemessen / und bist vertraut mit allen meinen
Wegen. / Ist ja kein Wort auf meiner Zunge / da hast du, Ewiger, es ganz gewusst. / hast hinten mich und
vorn umengt / und auf mich deine Hand gelegt. / Zu wunderbar mir, zu begreifen / zu hoch, ich fass es
nicht. / Wo geh ich hin vor deinem Hauch / wo flücht ich mich vor deinem Antlitz! / Steig ich zum
Himmel, bist du dort / und bett ich in Scheol (Totenreich) mich, da bist du! /
Nähm ich des Morgendämmerns Flügel / und weilte ich an Meeres Ende / auch dort würd deine Hand
mich führen / mich fassen deine Rechte. / Und spräche ich: `Tiefdunkel schlinge mich / Nacht sei die
Helle um mich her´! - / Auch Dunkel dunkelt mich vor dir. / Die Nacht hell wie der Tag / das Dunkel
gleich der Helle. / Denn du hast meine Nieren mir geschaffen / du wobest mich in meiner Mutter Leib. /
Ich hulde dir / dass ich im Schrecklichen war ausgesondert. / Ja, wunderbar sind deine Werke / und
meine Seele weiß es wohl. / Mein Wesen war dir nicht verborgen / wie im Geheimen ich geschaffen /
gewirkt ward in der Erde Tiefen. / Mein Werden sahen deine Augen / in deinem Buche waren alle sie
verschrieben / (im Schriftbund) eingebundne Tage / nicht einer (kommt hinzu) bei ihnen.
Doch mir, wie wert ist deine Freundschaft mir, o Gott! / Wie zahlreich jener Häupter / wollt ich sie
zählen, sind sie mehr als Sand - / zähl ich’s zuende, noch bin ich bei dir / wenn du, o Gott, den Bösen
tötest! / Blutmenschen, weicht von mir! / Sie, die zu Treubruch dich besprechen / zu Falschem nennen,
deine Feinde. / Hass ich nicht deine Hasser, Ewiger? / Mich widerts deiner Widersacher! / Mit letztem
Hasse haß ich sie / sind meine Feinde worden! / Erforsch mich, Gott / erkenn mein Herz / prüf mich und
merk mein Ängsten! / Und schau, ob Weg zu kränken in mir ist / und leite mich auf ewgen Wege!<
                                                 Die heilige Schrift, Psalm 139 in der Übersetzung von Naftali Herz Tur - Sinai