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                                                                         Der Neidische 

Müde blickte der Prophet auf den Neidischen und antwortete ihm von Neuem.
„Du erzürnst dich fortwährend über die Anderen, ihre Neigungen, ihre Talente, ihre Lebenswege und behauptest daher dass nur dir die Perle der Weisheit gegeben sei. Wisse doch, jeder trägt die Perle in sich, jeder ist die Perle selbst. Auch in mir ist Weisheit, ich habe dieses und du hast jenes Talent und der Nächste ein Anderes. Bedenke auch die Weisheit Isaaks des Brunnenbauers. Dein Kuchen schmeckt fad weil du die Rosinen durch Missgunst gegenüber anderen herauskatapultiert hast.“
Mit Schärfe wiedersprach der Neidische.
„Solche Schwätzer wie dich gab es schon immer, du verzweifelter Warner, mein Kuchen schmeckt nicht fad. Ich mach mir die Freunde und die Freundschaft so zurecht wie sie mir nutzen. Deine Sanftmut teile mit dem Mönch, er mag die Zeit dafür aufbringen.“
Der Mönch hörte die Worte des Neidischen.
„Kommt, tretet ein in das Kloster und entzündet mit mir gemeinsam die Kerzen am Leuchter des Lebens. Sie sollen brennen für den Glauben, für das Gute und gegen das Elend dieser Welt.“
Der Prophet folgte der Einladung. Als nun sechs Kerzen brannten stürmte mit Ungeduld der Neidische hinzu und entriss dem Mönch die Zündhölzer. Jedoch, die Kerze nahm das Feuer des Neidischen nicht an, es schlug dem Propheten ins Gesicht. Voller Inbrunst lachte der Neidische.
„Nun Prophet, wo sind deine klugen Sprüche, ist dir nicht die Flamme im Gesicht die Hölle?“
Der Mönch indes schaffte ein wassergetränktes Tuch herbei und warf es über den brennenden Propheten. Nachdem der Prophet sich beruhigt hatte sprach er mit erregter doch fester Stimme: „Es ist deine Hölle in die ich kurze Zeit sah.“ Der Prophet weinte sehr.
„So höre doch bitte noch einmal was ich dir sage: Erst dann wenn Blüten aus den steinernen Herzen aufbrechen werde ich aufhören zu weinen. Erst dann werde ich aufhören wenn jeder Mensch in die Würde des Anderen blickt. Erst dann werde ich aufhören wenn Jeder ohne Pfeil und Bogen in seinen Frieden zieht.